Fünf Esel halten

Dass Eselhalter als Sonderlinge gelten, weiß ich erst, seit ich selbst Esel habe. Die Häufchen seines Hundes vom Bürgersteig abzukratzen wird als ebenso normal betrachtet wie eine kastrierte Katze lebenslänglich in ein Apartment einzusperren. Wer sich ein Pferd leisten kann, der hat’s zu was gebracht, und Meerschweinchen hat man den Kindern zuliebe. Aber fünf Esel? Nach der ersten Schocksekunde wandern die Augenbrauen meiner Gegenüber immer in die Höhe. Und es kommt die Frage: "Was macht ihr denn mit denen?" Ja, nichts natürlich, man muss sie weder bespaßen noch als Arbeitstiere einsetzen. Esel sind einfach da, fressen den wilden Fenchel von der Wiese, und wenn’s warm wird, nehmen sie ein Staubbad.

Sobald ich morgens die Haustür öffne, erhebt sich zur Begrüßung ein Höllenlärm; zum Glück stört sich niemand daran in dem kleinen Dorf in Umbrien, wo wir seit vielen Jahren immer mehr Zeit verbringen. Wir kamen zu den Eseln, weil uns ein Freund den ersten schenkte. Aber ein Esel allein wird traurig, es sind ja Herdentiere. Übrigens produzieren sie Unmengen von Mist. Sie wollen dauernd futtern, sie lassen sich nicht reiten, sie machen, was sie wollen, und beeindrucken kann man sie mit nichts. Unsere Esel sind wie wir. Deshalb kann ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

Weinen zur Hymne von AS Rom

Roma, Roma, Roma , core de ’sta città … Das Herz dieser Stadt, es schlägt natürlich im Olympiastadion, bei Heimspielen der Associazione Sportiva Roma, des AS Rom. In den letzten 25 Jahren habe ich Hunderte davon gesehen, jedes Mal vor dem Anpfiff diese Hymne gehört. Und jedes Mal losgeheult. Tapfer kämpfe ich dagegen an, aber spätestens bei der dritten Zeile brechen bei mir die Dämme; dabei stehe ich längst nicht mehr in der Kurve, sondern sitze auf der Pressetribüne, zwischen diskret wegblickenden Kollegen. Wobei Roma ja wirklich oft zum Heulen spielt. Aber selbst sieben Gegentore bringen mich nicht so aus der Fassung wie dieses Lied.

Beeindruckende Mengen an Marmelade einkochen

Jetzt sind die Kaki dran, mit Ingwer und Lebkuchengewürz. Die Myrtenbeeren schwimmen schon im Grappa, den Quittenberg habe ich letzte Woche weggeschafft. Wenn bei uns keiner Marmelade essen würde, müsste ich leider ausziehen. Denn Marmelade einkochen ist meine Obsession, vielmehr eine kleine Unterobsession meiner umfassenden Vorratsmanie. Andere joggen und verbrennen Kalorien, ich koche ein und horte sie. Bitterorangen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Aprikosen, Pflaumen, Brombeeren, Feigen. Hab ich was vergessen? Bestimmt. Jedenfalls sind das locker 60 Gläschen im Jahr, dazu kommt jede Menge Aufgesetzter. Ganz zu schweigen von meiner Kräutersammlung, wie viele Sorten, weiß ich schon gar nicht mehr. Von A wie Ananassalbei bis Z wie Zinnkraut, als Kräutertee gut gegen Blasenentzündung. Thymian hilft gegen Husten. Wegerich gegen Insektenstiche. Ich hab kein Problem mit Schulmedizin, nur ist gegen meinen Sammelwahn einfach kein Kraut gewachsen.

Birgit Schönau mag auch Thomas Manns Josephsromane und Bachs Cello-Suiten