*Bibelzitat (Luk. 2, 10), das Papst Johannes Paul II. als Parole ausgab und US-Präsident Roosevelt zum Prinzip seiner Politik gemacht hatte

Gute Laune ist eine unterschätzte historische Kraft. Es war die richtige Losung nach den Terror-Morden von Paris, dass das normale Leben als täglicher kleiner Triumph über den großen Einschüchterungsversuch weitergehen müsse: Konzerte, Fußballspiele, Restaurantbesuche. Aber es geht nicht nur um Zähigkeit im Alltag. Was man in der Krise braucht, ist so etwas wie politische Lebensfreude im großen Stil, eine Art Geschichtsmunterkeit.

2015 war stattdessen ein Jahr der Angst. Angst vor dem Terrorismus und dem Islam, vor der Einwanderung, der Euro-Krise und vor Russland. Abschottungsdemagogen wie Donald Trump, Marine Le Pen oder Viktor Orbán haben sich in Europa und in den USA ins Zentrum der Debatte gedrängt. Autoritäre Staatsführer wie Wladimir Putin, der türkische starke Mann Erdoğan oder Chinas Präsident Xi wirken selbstbewusster und mächtiger als demokratische Politiker wie Barack Obama oder Angela Merkel. In den westlichen Gesellschaften hat sich eine Stimmung des Belagerungszustands ausgebreitet.

Dagegen lehrt die Erfahrung, dass man mit Optimismus besser fährt. Das größte Beispiel für seine weltverändernde Macht verkörperte US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, der nicht nur Hitler besiegte, sondern auch eine demoralisierende Wirtschaftskrise. Man muss sich klarmachen, wie angeschlagen die freie Welt Anfang der 1930er Jahre war: historisch in die Ecke gedrängt von den scheinbar kraftstrotzenden Ideologien Kommunismus und Faschismus, voller Selbstzweifel hinsichtlich der Erneuerungsfähigkeit des eigenen Wirtschaftssystems und der Zukunftschancen der liberalen Demokratie. Es war eine Zeit der Angst, und viele fürchteten, dass sie sich zu einem Zeitalter der Angst auswachsen würde.

Roosevelt war der Mann, der keine Angst hatte. Der Satz, mit dem er seinen Landsleuten bei seiner Amtseinführung am 4. März 1933 Mut machte, wurde sofort berühmt: "Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst."

Der Präsident proklamierte die Angstfreiheit nicht nur. Er schien das Ereignisgewitter des Krisenmanagements geradezu zu genießen. Seine gute Laune wirkte ansteckend, auf seine Weggefährten, auf die amerikanische Nation, auf seine Epoche. Englands Premier Winston Churchill, der Waffenbruder des Präsidenten im Kampf gegen Hitlerdeutschland, hat einmal erklärt: Roosevelt "mit seinem sprudelnden Naturell" zu treffen sei, "wie eine Flasche Champagner zu öffnen".

Der politische Ausdruck dieses Optimismus war der Mut zum Experiment. Die Wirtschafts- und Sozialreformen, die als New Deal in die Geschichte eingegangen sind, waren kein ausgeklügeltes Großprogramm, sondern ein manchmal chaotischer Mix aus Notmaßnahmen und Strukturreformen: vom Bäumepflanzen zur Arbeitsbeschaffung über den Bau von Kläranlagen bis zur Regulierung des Aktienmarkts. Was nicht funktionierte, ließ man eben wieder bleiben.

Auch Roosevelts Radio-Reden, die fireside chats, waren Zeichen der Zuversicht: dass man Politik erklären und dass normale Leute sie begreifen konnten. Alles war getragen von einem Grundvertrauen in die menschliche Intelligenz und Vitalität. Der Krieg gegen Nazideutschland und das kaiserliche Japan war dann später, in den 1940er Jahren, nichts als die Mobilisierung dieser Ressourcen für militärische Zwecke. Roosevelt hat keinen Augenblick daran gezweifelt, dass am Ende die gute Sache siegen würde.

Verglichen mit damals, sind die Vereinigten Staaten, Europa und der gesamte Westen heute in keiner besonders furchterregenden Lage. Nur Hysteriker können den "Islamischen Staat" auf eine Stufe mit den totalitären Großmächten des 20. Jahrhunderts stellen und die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus einen "Dritten Weltkrieg" nennen.

Die Wirtschaftskrise, die 2008 ausbrach, hat sich im Gegensatz zu der in den Jahren nach 1929 nicht zu einem weltweiten Albtraum entwickelt. Weder China noch Putins Russland stellen eine militärische Gefahr wie die frühere Sowjetunion dar. Und weder der antiwestliche Nationalismus dieser beiden Staaten noch gar die Glaubenslehre des Dschihad bieten eine echte, populäre ideologische Alternative zur liberalen Demokratie.

Wer schließlich in den heutigen "Flüchtlingsströmen" Horden von bedrohlichen Eroberern wie in den früheren Völkerwanderungen sieht, hat offenbar den Unterschied zwischen Feinden und Fans der westlichen Lebensform nicht begriffen: Zuwanderer kommen ja nicht, weil sie etwas Verhasstes kaputt machen, sondern weil sie an etwas Attraktivem teilhaben wollen. Die Panikstimmung, der sich viele im Augenblick hingeben, ist absurd.