Wäre das Jahr 2015 ein Mensch, dann wäre er wohl keiner, den man auf Anhieb mag. Seine schlechten Seiten sind einfach zu augenfällig. Das Jahr brachte Krisen, Kriege und Terror in selten erlebter Dichte, es mutete der Menschheit eine Menge zu. Aber wer sich näher einlässt auf dieses 2015, kann auch gute Seiten erkennen. Ja sogar ein Potenzial, das unerwartete Hoffnung macht.

Da wären zum einen die guten Nachrichten aus Deutschland. Der Wirtschaft geht es blendend, und noch nie hatten so viele Menschen Arbeit wie heute: 43,4 Millionen, das sind beinahe fünf Millionen Erwerbstätige mehr als noch vor zehn Jahren, trotz der leicht gesunkenen Bevölkerungszahl. Das Leben in Deutschland ist in vielerlei Hinsicht besser und sicherer geworden. Die Zahl der Verkehrstoten etwa ist seit Anfang der neunziger Jahre stark gesunken, unter anderem dank moderner Fahrzeugtechnik und strengerer Promillegrenzen. Auch die Zahl der Schulabbrecher ist zurückgegangen, seit 2001 hat sie sich fast halbiert – ein Grund dafür ist die verbesserte Berufsberatung und Förderung der Jugendlichen an den Schulen.

Zugegeben, angesichts der globalen Krisen wirkt Deutschland wie eine Insel des Glücks, aber dieses Jahr brachte sogar aus der übrigen Welt eine Reihe positiver Meldungen.

Immer weniger Menschen leiden Hunger, immer mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Kindersterblichkeit ist zurückgegangen, die Lebenserwartung gestiegen. Und das bei einer wachsenden Weltbevölkerung. Vieles geht in die Richtung, welche die Weltgemeinschaft zu Beginn des Jahrtausends angepeilt hatte: Vertreter der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der OECD legten im Jahr 2000 in den "Millenniumszielen" fest, welche Verbesserungen es weltweit in bestimmten Lebensbereichen bis 2015 geben sollte. Längst nicht alle Ziele wurden erreicht, in vielen Ländern gab es Rückschläge, aber insgesamt lassen sich einige positive Trends erkennen, und allein das ist schon viel wert.

Wenn wir also zum Jahresende auf dieses 2015 zurückblicken: Seien wir nicht bloß erschöpft und enttäuscht von ihm. Und hoffen wir, dass sein Nachfolger sich vor allem an den guten Seiten dieses Jahres ein Beispiel nimmt.