Es ist noch enger geworden im Thurhof

Die minderjährigen Asylbewerber tun sich schwer

Das Zentrum Thurhof ist voll, übervoll. Als die ZEIT im September ins sankt-gallische Oberbüren fährt, um zu erfahren, wie es den Unbegleiteten Minderjährigen Asylbewerbern (UMA) geht, leben 80 Jugendliche im Heim. Überall ist es eng: in den Zimmern, den Aufenthaltsräumen, den Duschen. Heute leben sogar 127 UMAs auf dem Thurhof. Die erwachsenen Asylbewerber mussten in die Turnhalle umziehen – oder in den Keller. "Es ist sehr eng bei uns, vor allem seit es kalt wurde", sagt Markus Laib, er leitet das Zentrum. Im September war es warm draußen, tagsüber spielten die Jugendlichen auf der Wiese oder trafen sich vor dem Haus. Nun hocken alle drinnen.

Wie also geht es Fanuel, 14, Sirak, 16, und Delina, 15? Den drei eritreischen Jugendlichen, die eigentlich anders heißen, mit denen die Reporterin im Herbst über ihre Träume sprach? Die damals sagten, sie hätten gern schönere Kleidung, mehr Taschengeld und mehr Salatsoße? Und darüber sprachen, wie sehr sie ihre Eltern vermissen?

Fanuel hat Mühe, im Thurhof Fuß zu fassen, sich an die Regeln zu halten. Sirak geht es besser. Er besucht noch immer die öffentliche Schule. Damit ist er eine absolute Ausnahme: Nur vier der 127 Jugendlichen können auswärts die Oberstufe besuchen. Alle anderen werden nach wie vor im Zentrum unterrichtet. Delina ging es schlecht in den vergangenen Wochen. Sie war kurze Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, weil sie von ihrer Flucht schwer traumatisiert ist. Mittlerweile hat sie mit einer Psychotherapie begonnen. Die Mädchen haben es sowieso schwer im Thurhof. Sie sind noch immer eine krasse Minderheit. Nur gut ein Dutzend junge Frauen lebt hier. Meist bewegen sie sich in Gruppen. Allein nach draußen gehen sie kaum.

Eine Betreuerin erzählt, viele reagierten frustriert auf die engen Verhältnisse. Und die vielen Neuankömmlinge wirkten sich eher negativ auf die Gruppendynamik aus. Wenn ein Neuer dazukomme, merke man: Die Hilfsbereitschaft sei gering. Alle sind mit sich selber beschäftigt. Doch im Kanton St. Gallen ist noch immer nicht geklärt, wer eigentlich für die jungen Asylbewerber zuständig ist. Der Kanton oder die Gemeinden? Markus Laib hofft, dass sich die Situation rasch klären wird. Nicht seinetwegen, sondern wegen seiner Schützlinge. Sie sollen eine Ausbildung machen können. Und möglichst bald auf eigenen Beinen stehen.