Der Prominente

Das eigene Weingut ist angesagt im Showbusiness; aber Gérard Depardieu kauft man den Bonvivant ab. Das gute Papier, das vollmundige Versprechen "Meine Wahrheit" samt Unterschrift verraten Stolz. Hier ist er berechtigt. Aber natürlich schafft kein Laie die Kellerarbeit allein. Dafür holt man sich Berater, die oft weltweit aktiv sind. Darum sind viele Promi-Weine besser, als zu erwarten wäre, verwechselbarer allerdings auch. Im Fall von Depardieu sollte man außerdem wissen: Seine Wahrheit hat ihren Preis.

Circa 45 Euro

Der Halbstarke

Hier traut sich einer was – und muss es wahrscheinlich auch. Wenn ein Winzer aus dem betulichen Vermarktungsstil seiner Branche ausbricht, dann tut er es, weil er beim Prädikatspoker der Altvorderen nicht mithalten kann, weil sein Betrieb kein Schloss von anno dazumal ist und er darum laut Weinrecht auch kein solches aufs Etikett malen darf. Hinter solchen Flaschen steckt meist ein junger Winzer mit Ego und Ideen – und ein moderner Mittelklassewein, der für die nächste Party besser taugt als für das Weihnachtsfest.

Circa 9 Euro

Der Altvordere

So viele Infos durcheinander, und das Wort Scharzhof taucht gleich dreimal auf. Aber das ist ein gutes Zeichen; der Weinberg ist anscheinend berühmt, und der Winzer führt ihn im Namen. Wichtig ist auch das Kleingedruckte: Auszeichnungen, die hundert Jahre zurückreichen. So ein Etikett verspricht altmodischen Wein in bester Qualität. In diesem Fall übrigens einen etwas süßen, das sieht man am geringen Alkoholgehalt.

Circa 50 Euro

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 52 vom 23.12.2015.

Der Snob

Keine Botschaft ist auch eine Botschaft. Über so einen Betrieb gibt es entweder wenig zu sagen, oder er hat es nicht nötig, seine Weine anzupreisen. Hier stimmt beides. Screaming Eagle ist ein sogenanntes Garagenweingut in Kalifornien, also sehr jung, sehr klein und sehr teuer. Und es macht nur diesen einen Wein, der köstlich sein soll. Das behaupten zumindest die etwa acht Leute, die schon davon probieren durften. Die Geheimniskrämerei hält die Legende am Leben. Wenn so eine Flasche auf dem Gabentisch liegt, nicht für die Sauce verwenden.

Circa 2.000 Euro

Der Hochstapler

Okay, dieser Winzer hat ein Schloss, auch wenn er uns nur das Hoftor zeigt. Aber wie heißt er? Das steht im Kleingedruckten. Lieber wirbt er mit dem gülden unterlegten Namen der Region Bordeaux, deren nobelsten Vertreter wir hier allerdings nicht sehen. Der billige Glitzer und der hinten versteckte Jahrgang 2014 verraten den eilig abgefüllten Poser-Rotwein aus dem Discounter-Regal.

Circa 3 Euro

Der Schädelspalter

Je weiträumiger die Herkunftsangabe, desto dubioser der Wein. Wer eine Einzellage aufs Etikett schreibt, muss viele Auflagen erfüllen. Wer nur das Land ausweist, darf zusammenschütten, was immer er dort günstig einkaufen kann. Dieser Rosé reiste in Tanks vom Balkan zum Abfüller nach Sachsen. Deutsche Schrift auf fremden Flaschen ist also kein Gütezeichen. Und noch ein Warnsignal: Guter Wein ist manchmal süß, aber niemals "lieblich".

Circa 2 Euro pro Liter