Wenn von der Kulturkritik kaum mehr zu erwarten ist als die Fetischisierung der Wirklichkeit, wenn die gefeierten Texte der Saison von Karl Ove Knausgårds heiligem Memoirenernst bis Joachim Meyerhoffs autobiografischen Koketterien den Autor wieder installieren als Letztbegründung des künstlerischen Werks, wenn also die Stunde der Inhaltisten und Substanzdogmatiker geschlagen hat – dann rettet sich der radikale Ästhet in den Sport.

Das Motto der neuen adidas-Kampagne zur Vorbereitung auf die EM 2016 lautet: "Be the difference". Pardauz! Make a difference – "verändere etwas" –, so hätte noch der Modernist gesprochen, der in der Abweichung die Innovation begreift. Aber be the difference – das ist schon ein starkes Stück.

Bedeutung, haben wir von der Sprachkritik gelernt, liegt in der Unterscheidung: Das Wort Hose (die des Trikots zum Beispiel) vermittelt uns eine entsprechende Vorstellung nicht dank seiner Hosenhaftigkeit, sondern weil es nicht Dose oder Rose heißt. Sinn ist also nur ein Flackern zwischen den Begriffen, und dieses Flackern nun soll Daseinsmaxime des Rezipienten (nüchternes Wort für: Fan) sein. Wer hätte den Essenzialismus der grassierenden Doku- und Wirklichkeitsmanie je heftiger herausgefordert? Sei nicht anders – sei das Andere! Und das ausgerechnet von einem Turnschuhverkäufer.