Weihnachten, das ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Jahresrückblicke – und ganz prosaisch: das Ende des Steuerjahres. Auch für meine Firma. Das ist wenig besinnlich, gerade in Tagen, in denen der Bund und die Kantone milliardenschwere Sparpakete schnürt.

Der Kanton Baselland gilt als bürgerlicher Vorzeigekanton: Bei den letzten Wahlen flog die SP nach fast einem Jahrhundert aus der Regierung, und im Kantonsparlament haben die Schulterschluss-Parteien eine satte Mehrheit. Ein euphorischer Chefredaktor einer Regionalzeitung rief die bürgerlichen Parteipräsidenten aus der ganzen Schweiz dazu auf, sich vor Ort ein Bild zu machen: In Baselland sei der Wille zum Erfolg greifbar.

Nun sind diese bürgerlichen Mehrheiten in Regierung und Parlament nicht neu. Sie haben schon in den vergangenen Jahren die Finanzen tief in jenes Rot getrieben, in dem das Kantonswappen gehalten ist. Besserung ist auf die Schnelle nicht in Sicht. Mein Kanton, der städtische Nachbar der Landschaft, ist seit über zehn Jahren rot regiert und schreibt solide schwarze Zahlen. Nun sah er sich gezwungen, den Landschäftlern in ihrer eingebildeten Armut und ihrer schweizweit unterdurchschnittlichen Steuerabschöpfung mit Dutzenden Millionen unter die Arme zu greifen; zur Rettung der gemeinsamen Universität. Dies, weil die bürgerlichen Erfolgslandschäftler Steuererhöhungen fürchten wie SVP-Parlamentarier den Parteiausschluss.

Man könnte zu Silvester Blei gießen, um die Steuerzukunft des Kantons vorherzusagen. Doch das wäre reine Zeitverschwendung. Denn für Rechtsbürgerliche gilt: Jeder Franken, den ein Reicher dem Staat abliefert, ist einer zu viel ist. Und so wird Baselland die Besserbetuchten entlasten – und dafür bei den Haushalten mit bescheidenem Einkommen kräftiger zulangen.

Ähnliche Tendenzen gibt es auf Bundesebene. Ein Zürcher Nationalrat hat dieser Tage vorgeschlagen, die direkte Bundessteuer abzuschaffen und mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer zu kompensieren. Nun ist aber just die Bundessteuer die einzige Reichtumssteuer, die wir in der Schweiz kennen. Von den etwa 66 Milliarden Franken unseres Haushaltes kommen 18 Milliarden aus dieser Quelle. Die Mehrwertsteuer bringt ihrerseits gegen 23 Milliarden ein, das sind unterm Strich zwei Drittel der Bundeseinnahmen. Das Besondere an der Mehrwertsteuer ist: Sie besteuert den Konsum und unterscheidet nicht zwischen Arm und Reich. Niemand entgeht ihr. Wird sie erhöht, belastet das den unteren Mittelstand und Ärmere überproportional stark. Für sie ist jeder Franken ein Konsumfranken. Ende des Monats bleibt kaum etwas übrig. Manchmal schon früher.

Ohne die direkte Bundessteuer müsste die Eidgenossenschaft kräftig Federn lassen. Wie das aussieht, zeigen die aktuellen Sparpläne. Verschont werden, wenig überraschend, jene Bereiche, die von den bekennenden Edelweißhemdenträgern fast grenzenlos verehrt und gehätschelt werden: Armee, Landwirtschaft und Straßenbau. Besonders brutal gestrichen hingegen wird bei zukunftsträchtigen Budgetposten wie Bildung und Forschung: Über eine halbe Milliarde Franken sollen dort wegfallen. Oder beim Bundesamt für Statistik. Es soll gleich ganz weg. Das Amt steht für die zur Rechten so verhassten Fakten. Fehlen verlässliche statistische Angaben, kann man nämlich frei von der Leber weg behaupten, was die eigene Klientel gerade hören will. Egal, wie tief der Wahrheitsgehalt ist. Bald sollen die Auspizien in Neuenburg also nicht mehr Excel-Tabellenreihen analysieren, sondern Innereien von Schweizer Hühnern nach dem zukünftigen Wirtschaftswachstum befragen. Ob sie etwas anderes als Rückstände von importiertem Kraftfutter und Antibiotika finden werden?

Was passiert da? Die Rechtsbürgerlichen träumen von einer Schweiz als hochmobilem Alpen-Monaco. In dem die Staffage dazu dient, den Reichen aus dem In- und Ausland eine rustikale Lebenskulisse zu bieten. Den Schweizer Industriestandort gibt es in diesem Land kaum mehr, weil dieser ausgebildete Leute und Forschung braucht. Und aus dem Ausland dürfen die Fachleute ja bald nicht mehr kommen.

Aber nun genug von Politik: Ihnen allen ein gutes 2016. Keep calm and carry on!