Halbzeit. Die Regierung Faymann-Mitterlehner hat die zweite Hälfte der Legislaturperiode noch vor sich. Die Bilanz der ersten Hälfte: Es gibt keinen, aber auch wirklich keinen Grund, um zu jubeln. Und wenig Hoffnung birgt die nächste Zeit. Das Ende zeichnet sich ab. Und es wird nicht nur das Ende einer Regierung sein, sondern zugleich das Ende einer Ära.

In den sieben Jahrzehnten der Zweiten Republik haben SPÖ und ÖVP 45 Jahre lang gemeinsam regiert. Auch wenn es nicht immer eine große Koalition gab – es gab immer die Möglichkeit zu einer SPÖ-ÖVP-Regierung. Diese Möglichkeit wird aber nach 2018 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr bestehen. Nicht einmal sonnige Optimisten in der Regierungskoalition können bei seriöser Betrachtung Anzeichen dafür finden, dass ihre beiden Parteien das Land auch noch über das Jahr 2018 hinaus führen werden. Alle Landtagswahlen dieses Jahres endeten mit herben Verlusten der beiden auf Bundesebene tonangebenden Parteien. Alle Meinungsumfragen bestätigen, dass SPÖ sowie ÖVP weit hinter die FPÖ zurückgefallen sind. Und dieser Trend hat sich verfestigt und wir auch in Zukunft anhalten.

Heinz-Christian Strache muss keinerlei Anstrengung unternehmen. Er kann sich zurücklehnen, ja er darf gar keinen Ausweg vor den nächsten regulären Nationalratswahlen offerieren. Es genügt, auf die unsittlichen Angebote zu warten, die ihm und seiner Partei an diesem Wahlabend unterbreitet werden. Er kann sich auch den Kuhhandel ersparen, mit dem sich einst sein Vorgänger Jörg Haider bei Wolfgang Schüssel ins Regierungsgeschäft eingekauft hatte. Er wird sich in der glücklichen Position befinden, niemandem aus SPÖ oder ÖVP das Kanzleramt antragen zu müssen, um selbst ins Spiel zu kommen. Im Gegenteil, 2018 wird der freiheitliche Parteichef die Bedingungen diktieren.

Dieser Koalition hilft offenbar auch das einzige Argument nicht mehr, das für sie spricht: Die Alternativen zu dieser schrecklich harmlosen Regierung sind wirklich noch schrecklicher. Und diese Alternativen sind nun von der SPÖ im Burgenland und von der ÖVP in Oberösterreich salonfähig gemacht worden. Der rote Vorsitzende Faymann ließ tatenlos zu, dass Hans Niessl ihn wie einen Tanzbären an der Nase vorführt. Parteitagsbeschlüsse und die damit offizielle Strategie der Sozialdemokratie? Die gelten für den roten Kapo aus Österreichs Südosten nicht. Dem Chef der Sozialdemokraten fiel nichts Besseres ein, als peinlich um den heißen Brei herumzureden. Auch Reinhold Mitterlehner, der Obmann der Volkspartei, ließ in seiner eigenen Heimat eine Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen auf Landesebene zu. Nichts demonstriert deutlicher, was der Europapartei ÖVP noch so alles zuzutrauen ist – etwa dass in oberösterreichischen Schulpausen eine alte nationalistische Regel zur Anwendung kommt: "Kein fremdes Wort in diesem deutschen Hort!"

Eine andere Taktik ist von den beiden derzeitigen Regierungsparteien auch 2018 nicht zu erwarten. Mit dem einzigen Unterschied, dass eine von ihnen die Rolle des Juniorpartners in einem von Heinz-Christian Strache geführten Kabinett akzeptieren wird. Das aber mit dankbarer Unterwürfigkeit.

Werner Faymann begann seine Kanzlerkarriere 2008 damit, gemeinsam mit seinem Vorgänger an seinen Übervater, den damals schon ziemlich altersstarrsinnigen Boulevardverleger Hans Dichand, einen unendlich dummen Brief zu schreiben. Der Vorgänger konnte anschließend rasch entsorgt werden. Der Übervater, der ist nicht mehr. Und Faymann?

Zur Überraschung vieler erkannte er Europa als die Bühne, auf der er zu seiner Rolle finden konnte. Der Vertrag von Lissabon, der jedem Mitgliedsstaat der EU nur mehr erlaubt, bei entscheidenden Sitzungen durch den Staats- oder Regierungschef und nicht mehr zugleich durch den Außenminister vertreten zu sein, hat ihm Doppelauftritte mit einem jungen und dynamischen ÖVP-Außenminister erspart. Im Gruppenbild mit einigen Damen steht nun Faymann, und nur Faymann, zwischen europäischen Größen wie David Cameron, François Hollande, Angela Merkel oder Matteo Renzi.