Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Rechtzeitig zum Jahresende wurde der längst fällige Refugee-Guide des Innenministeriums veröffentlicht. Das soll eine Art Hausordnung der Republik Österreich sein, durch die Neuankömmlinge mit den landesüblichen Sitten und Gebräuchen vertraut gemacht werden.

In diesem Brevier finden sich allerdings auch für seit je hier ansässige Landsleute einige interessante Neuigkeiten. So liest man unter dem Kapitel Demokratie, dass "die Österreicherinnen und Österreicher wählen dürfen, wer ihr Land regiert".

Ah ja? An dieser Stelle fehlt die weiterführende Definition des sehr österreichischen Wertes Schmäh, also des Auseinanderklaffens von Gesagtem und Gemeintem. Damit haben schon unsere Nachbarn aus Deutschland enorme Probleme, wie sollen dann erst Menschen aus dem Nahen Osten damit klarkommen?

In puncto Gleichberechtigung wird der Flüchtling aufgeklärt, dass hier Männer andere Männer küssen dürfen. Seltsamerweise fehlt der Nebenaspekt, dass Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen. Dafür dürfen sie sich zwischen Boden- und Neusiedlersee den Mann selbst aussuchen. Manche würden da vielleicht rückblickend gern tauschen.

Des Weiteren erfährt der Asylsuchende, dass hier Höflichkeit sehr wichtig wäre. Also Hand geben und so. Leise hofft man, die Schutzsuchenden geraten nie als Autofahrer in die Wiener Rushhour, in der sie sich fragen müssten, warum ihnen niemand die Hand gibt und was dieser geheime Code mit dem Mittelfinger bedeuten könnte. Zudem werden sie aufgefordert, alten Menschen über die Straße zu helfen. Irgendwer muss das ja machen.

Allerdings gibt es auch strenge Pflichten, nämlich in der Nacht leise zu sein. Das wären sie also, unsere Werte. Leise in der Nacht, Hand geben und eine Regierung, die wir uns angeblich selbst ausgesucht haben. Dieser Refugee-Guide liest sich fast wie eine Aufforderung an Inländer, selbst möglichst rasch die Flucht zu ergreifen.