Zum Glück gibt es Facebook. Dort kämpft man heute gegen das wahre Unrecht dieser Welt. "Zensur!", schrie der Kabarettist Serdar Somuncu vor wenigen Tagen. "Was das SRF da macht, ist Meinungsdiktatur".

Damit hat die Schweiz das erste Medien-Skandälchen des neuen Jahres.

Das Fernsehen hatte Somuncus Auftritt aus einer Sendung über das Arosa-Humorfestival gekippt. Ein Deutscher ("die schlechte Nachricht: Ich bin Türke"), der Schweizer beschimpft ("gepflegt ausländerfeindlich"), allen voran Christoph Blocher ("Arschblocher"). Das geht gar nicht. Empörte Zuschauer, die während des Auftrittes im Dezember den Saal verlassen haben. Medien mit Streuwirkung, die davon erfahren. Und, eben: das Schweizer Fernsehen, das wieder einmal in die Defensive gerät.

Die Verantwortlichen streiten natürlich ab, dass es sich um Zensur handle. Eine "redaktionelle Auswahl" müsse man nach "sendungsrelevanten Kriterien" treffen, verteidigt sich der Leiter Comedy und Quiz.

Für Somuncu sind das "Ausflüchte", wie er dem Onlineportal Watson erklärt. Er verstehe, dass es manche beim Schweizer Fernsehen gerade "wenig opportun" fänden, über die SVP herzuziehen. Aber damit spiele man den Volksmassen, die Lügenpresse schreien, doch gerade in die Hände.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der ZEIT Nr. 02 vom 07.01.2016. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Gut möglich, dass die Ausstrahlung des Beitrages tatsächlich zu einer Beschwerde des Anti-SRG-Duos Natalie Rickli und Gregor Rutz geführt hätte. Die beiden SVP-Nationalräte aus Zürich haben es sich in jüngster Vergangenheit zusammen mit anderen Parteifreunden zum Hobby gemacht, den SRG-Ombudsmann Achille Casanova zu beschäftigen.

So gab es eine Beanstandung der Satiresendung Zytlupe. Ein SVP-Großrat sah darin eine "rassistische Anti-SVP-Kampagne". Casanova inspirierte die harsche Kritik zu einer fast schon poetisch anmutenden Definition von Satire. Sie sei, schreibt er, "ein besonderes Merkmal der Meinungsäußerung". "Satire übersteigt die Wirklichkeit, verfremdet sie, stellt sie um, kehrt wieder zu ihr zurück, banalisiert sie, karikiert sie, macht sie lächerlich." Der Rahmen für satirische Sendungen sei "sehr weit abgesteckt".

Die Worte des Ombudsmanns, sie klingen wie ein Zuruf an die Redaktion. Wie ein Neujahrsvorsatz für die Kollegen am Leutschenbach: Seid mutiger, frecher, aufmüpfiger! Zu spät wäre es dafür noch nicht. Es ist schließlich erst Anfang Januar.