Bitcoin ist die bekannteste und am weitesten verbreitete digitale Währung. Ihr Schöpfer ist bis heute unbekannt, und es ist immer noch eine Seltenheit, wenn man irgendwo mit Bitcoins bezahlen kann. Fakt ist trotzdem: Bitcoins fließen rund um den Globus. Das kann Tom Robinson in London sogar sehen. Er hat die Firma Elliptic gegründet, beobachtet und analysiert Bitcoin-Ströme, und vor sich, auf seinem Bildschirm, gleiten Zahlungen im Bitcoin-System wie Flugzeugspuren über den Erdball. Einheiten der digitalen Währung fließen hin und her zwischen kleinen und großen Knotenpunkten. Jeden Tag handeln Internetnutzer Bitcoins im Wert von mehreren Millionen Dollar, insgesamt sind alle Bitcoins zusammen derzeit fast sieben Milliarden US-Dollar wert. Der Wert spiegelt das Vertrauen der Nutzer in das System – denn hinter der Währung steht weder eine Zentralbank, noch sind sie physisch besichert.

Zu den größeren Knotenpunkten auf Robinsons Karte gehören Börsen, an denen sich Bitcoins handeln und in Währungen wie Euro und Dollar umtauschen lassen. Und es gibt Knotenpunkte mit Namen wie Bitcoin Fog und Silk Road II. Es sind Orte, an denen Bitcoins zumeist kriminellen Zwecken dienen: "Die Plattform Bitcoin Fog ist ein System für Geldwäsche", sagt Robinson. Sie lässt sich nur über das Tor-Netzwerk erreichen, eine Art Unterwelt des Internets, in dem Verbindungsdaten anonymisiert sind und über das deswegen auch illegale Geschäfte abgewickelt werden, etwa über den Handelsplatz Silk Road II.

Robinson kann sogar Einblicke in die Bitcoin-Blockchain nehmen – obwohl alle Transaktionen verschlüsselt sind und Sender und Empfänger geheim bleiben. Das Unternehmen hat aber eine Software entwickelt, die die Wahrscheinlichkeit abbildet, mit der Bitcoin-Zahlungen kriminellen Ursprungs sind. Mit einem Klick spuckt sie die Buchungskette einer als dubios gemeldeten Transaktion aus, und siehe da: Sie kam über sechs Ecken von Silk Road II. "Wir können Unternehmen, sogar Einzelpersonen herausfiltern", sagt Robinson. So können Geldwäsche, Betrug und Insiderhandel aufgedeckt werden – extrem hilfreich für Aufsichtsbehörden, Geheimdienste und die Polizei. Letztlich, sagt Robinson, sei das Bitcoin transparenter als jedes andere Zahlungssystem.

Diese Transparenz lässt viele Finanzinstitutionen zögern, eine öffentliche Blockchain zu verwenden. Und es gibt noch eine zweite Schwäche des Bitcoin-Systems, sie hat mit seiner Größe zu tun. Die Blockchain, in der alle Bitcoin-Transaktionen notiert werden, ist inzwischen enorm lang geworden, Tausende Rechner in aller Welt arbeiten daran, sie weiterzuschreiben. Und so kommt es, dass sich nur sieben Transaktionen pro Sekunde abwickeln lassen – für die Finanzwelt wäre das viel zu langsam.