ZEIT: 2003 haben Sie das Business-Netzwerk Xing gegründet oder Open BC, wie es damals hieß. Wie viel von Ihren Ersparnissen haben Sie da hineingesteckt?

Hinrichs: 30.000 Euro Erspartes. Ich habe zwischendurch auch immer in Firmen investiert, die ganz erfolgreich waren. Das reichte für die Programmierung von Xing.

ZEIT: Ihre Anteile haben Sie 2010 für knapp 50 Millionen an Burda verkauft. Trotzdem kennt Sie die breite Öffentlichkeit bis heute nur als Xing-Gründer. Nervt das?

Hinrichs: Xing kennt einfach jeder. Aber ich glaube auch nicht, dass Lars Hinrichs nur mit Xing assoziiert ist. Ich habe fünf Firmen, von denen mir entweder die Hälfte oder annähernd die Hälfte gehört – ich bin ein sehr aktiver Aufsichtsrat bei den Firmen, die ich kontrolliere. Lars Hinrichs, das ist Politik Digital, mein erstes Unternehmen, das ist mein aktuelles Unternehmen Cinco Capital. Lars Hinrichs ist der, der bei zwei börsennotierten Unternehmen im Aufsichtsrat sitzt. Ich bin mit unter 39 der jüngste Aufsichtsrat im Dax.

ZEIT: Zurück zu den Millionen für Xing. Was haben Sie sich von dem Geld geleistet?

Hinrichs: Den Flug ins All, sonst nicht viel. Ich bin nicht der Typ dafür. Ich trage keine Uhr, mein Tesla ist geleast. Ich bin keiner, der Statussymbole braucht. Ich fahre mit car2go zum Flughafen, weil das günstiger ist, als dort zu parken.

ZEIT: Sind Sie ein Sparfuchs?

Hinrichs: Nein, aber wenn es offensichtlich ist, dann nehme ich die günstigere Variante. Ich habe eine Bahncard 50 für die erste Klasse und fahre grundsätzlich zweite.

ZEIT: Für etwas zu bezahlen, was man nicht nutzt, ist wirtschaftlich gesehen wenig sinnvoll.

Hinrichs: Ja, aber die Möglichkeit zu haben, in der ersten Klasse zu sitzen, das ist es wert.

ZEIT: Sie führen für jedes Ihrer Unternehmen eine Fehlerliste. Ist das nicht schlecht fürs Selbstbewusstsein?

Hinrichs: Mit meinem Selbstbewusstsein habe ich kein Problem. Ich will Fehler einfach nicht zweimal machen.

ZEIT: Führen Sie solche Listen auch für sich als Privatmensch?

Hinrichs: Das ist eine gemeine Frage, die ich nicht beantworte.

ZEIT: Wie viele Stunden am Tag arbeiten Sie?

Hinrichs: Ich arbeite überhaupt nicht. Ich gehe meiner Leidenschaft nach.

ZEIT: Wie viel Leidenschaft steckt in diesem komplett vernetzten Haus, das Sie gerade bauen? Es soll Sie immerhin 35 Millionen Euro gekostet haben.

Hinrichs: Am Ende wird es mehr gekostet haben. Das Apartimentum hat mir sicherlich schon tausend Momente beschert, in denen ich es verflucht habe. Aber dann gibt es Momente, in denen ich mit Menschen da durchgehe, und die sagen: Hier will ich wohnen.

ZEIT: Wer ist denn bereit, für umgerechnet bis zu 300 Euro pro Nacht dort einzuziehen?

Hinrichs: Meine Zielgruppe sind Führungskräfte auf Auslandsaufenthalten. Sie könnten sich jederzeit etwas kaufen, machen es aber nicht, weil sie demnächst vielleicht woanders arbeiten.

ZEIT: Menschen, für die Geld keine Rolle spielt.

Hinrichs: Nein, Leute, für die Mobilität und Lebensqualität ein höheres Gut ist als Besitz.

ZEIT: Haben Sie nie Angst zu scheitern?

Hinrichs: Es werden Projekte nicht funktionieren. Es ist auch noch eine Frage, ob das Haus funktioniert. Aber das ist dieses Plan-B-Denken, das ich nicht mag. Ich mache lieber einen neuen Plan A.