Ich liebe zwei Männer. Den einen betrüge ich mit dem anderen und bin überhaupt nicht bereit, irgendetwas daran zu ändern. Zudem ahnt niemand etwas, ich werde ungeschoren davonkommen.

Dafür sollte ich mich bestrafen. Ich sollte in einer fremden Stadt, in einer heruntergekommenen Bar sitzen und mir mit billigem Alkohol Hirn, Herz und Magen zerschlagen. Eigentlich liebe ich doch mein moralisch hohes Ross, aber vor geraumer Zeit bin ich heruntergefallen und einfach liegen geblieben, so ganz ohne Moral.

Was mir bleibt, neben Sex und großen Gefühlen, ist der Schmerz. Der Schmerz darüber, meinen moralischen Kompass verloren zu haben.

Wenn dieser Schmerz kommt, gibt es einen Ausweg. Er führt in die tiefen Polster meiner Lieblingsbar, vor mir ein verbeulter Metallbecher mit einer milchig-weißen Flüssigkeit darin. Dieser harmlos wirkende Drink ist ein Schmerztöter mit original Pusser’s Rum und macht seinem Namen sämtliche Ehre: Pusser’s Painkiller.

Ich labe mich oft an ihm, wenn ich unter selbst verursachtem Herzschmerz leide. Ein Cocktail für Egoisten, kaum jemand kennt ihn. In seiner alten Tasse sieht er so unscheinbar aus, dass niemand auf die Idee kommt, nach einem Probierschlückchen zu fragen. Teilen will man ihn nach dem ersten Nippen sowieso nicht mehr, viel zu gut schließlich ist seine schmerzstillende Wirkung.

Der Moment des ersten Schlucks ist fast das Beste. Ich genieße ihn am liebsten allein. Das süßsaure Spiel der Ananas und der Orange bilden die Kopfnote, sie bereiten die Geschmacksknospen auf die Ankunft des 75-prozentigen Pusser’s Rum vor. Überraschend weich walzt der sich durch den Mundraum, gleitet auf der Kokoscreme die Kehle hinab und bleibt und bleibt und bleibt, bis man ganz erfüllt ist von Süße und Rum. Alsdann kommt der Clou, die Würze frisch geriebener Muskatnuss. Süß wird zu Nuss und Rum zu Wärme.

Spätestens nach dem dritten Schluck entfaltet sich die Wirkung, die Welt scheint weniger kantig, die Widrigkeiten der Liebe verblassen. Ist der Becher zur Hälfte geleert, sehnt man sich schon nach einem weiteren.

Daraus ergibt sich auch das einzige Problem des Painkillers, er ist unheimlich schnell ausgetrunken. Für die Vernünftigen unter uns ein Dilemma, für die Maßlosen wie mich einfach großartig, denn nun greift die klassische Cocktail-Regel: Einer ist zu wenig, zwei sind zu viel, drei sind perfekt.

Vielleicht sollte ich diese Regel auf mein Liebesleben übertragen.