Im Südosten Oldenburgs steht Reinhard Behrens im Licht einer grellen Neonröhre, an der Brusttasche seines blauen Arbeitskittels klemmt ein Phasenprüfer. "Ich sach ma: Sicherheit ist mein Geschäft", sagt Behrens mit norddeutschem Akzent. Seit fast 20 Jahren montiert er in Oldenburg Alarmanlagen und Überwachungskameras, er verkauft Schließsysteme und Sicherheitsbeschläge, Stahltresore und Infrarotkameras. Er verkauft sich selbst verriegelnde Schlösser, Zahlenschlösser, Kastenschlösser. Behrens zieht einen silberfarbenen Alukoffer aus dem Regal und klappt ihn auf. Darin liegt, in Schaumstoff gebettet, eine digitale Alarmanlage. Behrens tippt auf einer Fernbedienung herum. "Jetzt ist sie scharf", sagt er. Die Anlage fiept ohrenbetäubend. "Tipptopp", sagt er. Und klappt den Koffer wieder zu.

Behrens hat das Zubehör, um seinen Kunden viel von ihrer Angst zu nehmen. Manchen reicht eine kleine Überwachungskamera am Gartentor, um abends ruhig zu schlafen. Andere geben mehr als 20.000 Euro für eine Alarmanlage aus. Eigentlich ist Behrens’ Werkstatt ein Einmannbetrieb. Aber immer öfter muss er jetzt nach Aushilfen suchen, die ihm bei der Montage helfen. "Hier gab’s immer nur Gelegenheitseinbrecher, aber seit einer Weile sind Banden unterwegs, richtige Profibanden", sagt er und zählt die Einbrüche der letzten Wochen auf: Bei Elektro-Kuhnt haben sie 150 iPhones geklaut. "Vier Leute, alle vermummt, und dann – zack! – mit dem Vorschlaghammer die Scheiben eingeschlagen." Im Massagestudio um die Ecke sollen sie um 12 Uhr mittags eingestiegen sein. "Am helllichten Tag!" Selbst im Altersheim werde jetzt gestohlen. Mehrmals sollen Unbekannte dort in die Zimmer eingedrungen sein, um Portemonnaies und Schmuck von den Nachttischen der alten Leute zu klauen, "wenn die alten Leute den Rollator zum Esstisch schieben; irre ist das", sagt Behrens. Gefasst wurden die Täter nicht. "Das sind Profibanden", sagt Behrens. "Vermutlich Ausländer."

Tatsache ist, die Einbrüche nehmen zu. Der Leiter der Polizeiinspektion Oldenburg und Ammerland, Eckhard Wache, hat noch keine offiziellen Zahlen fürs vergangene Jahr, schätzt den Anstieg aber auf zehn Prozent. Dass Flüchtlinge dafür verantwortlich seien, hält er für unwahrscheinlich. "Die haben ja in der Regel nicht mal ein Auto."

Sicherheitstechniker Behrens sagt, einige Kunden hätten die Neuankömmlinge trotzdem in Verdacht. "Sie sagen das ganz klar: Jetzt, wo die Flüchtlinge da sind, wollen sie sich noch mal besonders schützen."

Angst - Ein Besuch im Waffenladen Zu Beginn des Jahres 2016 sind Pfefferspray und Schreckschusspistolen gefragt wie nie. Decken sich die Deutschen mit frei verkäuflichen Waffen ein?

Diese neue Lage und die Angst davor erzeugen Kosten, die Ökonomen zu beziffern beginnen. Sie können erste Hinweise geben, wie teuer der Stimmungsumschwung ist, auch wenn die prägenden Ereignisse erst kurz zurückliegen und sich die Lage dauernd ändert. In den vergangenen Tagen war viel davon die Rede, wie sehr es die Wirtschaft belaste, wenn Deutschland und andere Länder wieder Grenzkontrollen einführten, wenn Lkw-Staus an den Grenzen wieder zum Alltag gehörten. Die höchsten Schätzungen gehen von maximal zehn Milliarden Euro aus – bei einem Bruttoinlandsprodukt von drei Billionen Euro wäre das zu verkraften.

Viel größer könnten die dauerhaften Kosten der Angst werden. Die GfK misst bereits, dass 40 Prozent der Deutschen steigende Arbeitslosigkeit befürchten, die meisten davon, weil Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen. Wächst diese Furcht, hat es negative Auswirkungen auf den Konsum. Wer Angst hat, kauft weniger auf Raten, wer Angst hat, gibt weniger aus. Und es kann ein Zufall sein, aber erste Wirte in Oldenburg berichten von gesunkenen Umsätzen im Januar. Verglichen mit dem Januar des Vorjahres.

Hinzu kommen die Kosten für mehr Sicherheit. Das ist im Kleinen das Pfefferspray, aber eben auch die Alarmanlage von Behrens, mehr Personal bei Sicherheitsdiensten und Tausende neue Polizisten. Überall im Land wird Geld ausgegeben, um ein Niveau an gefühlter und tatsächlicher Sicherheit wiederherzustellen, das vorher viel billiger zu haben war. Der leitende Konjunkturforscher Stefan Kooths vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sagt: "Solche Ausgaben beleben zwar die Sicherheitsbranchen, aber das Geld und die dort eingesetzten Menschen fehlen anderswo, um neues dauerhaftes Wachstum zu erzeugen. Dieses Kapital wird uns fehlen, und deshalb bremsen solche Mehrausgaben für Sicherheit letztlich unsere Volkswirtschaft."