Fraktale sind geometrische Muster, die sich im Kleinen wiederholen, wenn man meditativ ganz tief in ein Bild hineinschaut. Der Mathematiker Benoît Mandelbrot prägte den Begriff und erklärte ihn an "Apfelmännchen", Figürchen, die wiederum aus kleineren Figürchen aufgebaut sind. Seither entdeckten Forscher fraktale Strukturen in Blumenkohl, Wüstensand, der Musik – und jetzt in der Weltliteratur: Stanisław Drożdż von der TU Krakau entdeckte Fraktale beim Ausmessen der Satzlängen in 113 Werken. Shakespeare, Tolkien oder Dostojewski lieferten einfache, lineare Fraktale, andere "besonders hohe mathematische Komplexität" – etwa die Verfasser der Bibel. Rekordhalter aber ist James Joyce. Die Analyse von Finnegans Wake lieferte Ergebnisse, die nicht mehr unterscheidbar seien von "idealen, rein mathematischen Multifraktalen". Ein Trost für Philologen: Scheitern sie an Joyce, ist die Mathematik schuld.