"Es hat mir nie Spaß gemacht, eine Maschine abzumalen", sagte der Künstler. "Ich erfinde Bilder von Maschinen, wie andere sich Landschaften ausdenken." Dieser Satz passt perfekt auf sein Gemälde Le moteur, premier état von 1918. Es ziert den Katalog der Christie’s-Abendauktion mit Kunst des Impressionismus und der Moderne, die am 2. Februar in London stattfindet. Das Ölbild auf Leinwand, 40,5 mal 33 Zentimeter groß, ist auf 4 bis 6 Millionen Pfund geschätzt – 1992 war es bei Sotheby’s für 460.000 Pfund zugeschlagen worden und befindet sich seitdem im Besitz derselben Familie.

Wie andere Künstler Berge, Täler, Flüsse und Bäume komponieren, so hat Fernand Léger hier Kolben und Räder zusammengefügt. Die Glanzlichter auf den Wölbungen der abstrakten blauen Elemente lassen an Stahlrohre denken. Fast kann man sich vorstellen, welche metallisch harten Geräusche das Dargestellte in rhythmischer Bewegung verursachen würde.

"Für mich", sagte der Künstler, "ist das mechanische Element keine fixierte Position oder Einstellung, sondern ein Mittel, mit dem ich ein Gefühl von Stärke und Macht hervorrufe. Ich versuche, ein schönes Objekt mit mechanischen Elementen zu schaffen." Léger ist bekannt für seine geometrischen Figuren und Zylinderformen. Seinen typischen Stil entwickelte er genau um die Entstehungszeit dieses Bildes herum, direkt im Anschluss an seine Zeit beim Militär im Ersten Weltkrieg. Auch wenn er von nun an Menschen malte, verwandelte er sie in Motoren. Im Krieg hatte er jahrelang keinen Farbpinsel in der Hand gehabt, und doch hat sich seine Vision in den Schützengräben herausgebildet. Bei all dem Grauen, dem menschlichen Leiden und Sterben um ihn herum fand er für sich die Schönheit in der Maschine, in den Waffen und Flugzeugen, den Kanonenrohren und den Propellern. Le moteur malte er im Mai 1918, während er, an Tuberkulose erkrankt, in einem Hospital behandelt wurde – vielleicht mit dem Glauben, es ginge uns allen besser, wenn wir Maschinen wären.

Lisa Zeitz ist Chefredakteurin von "Weltkunst" und "Kunst und Auktionen"