In einer Favela von Belo Horizonte, einer Industriestadt im Herzen Brasiliens, will mich ein Informant treffen. Er rät mir, auf dem Weg zum Treffpunkt meine Scheinwerfer auf Standlicht runterzuschalten, sonst hielten mich die Ausgucker der Drogenkartells für die Polizei. Falls junge Männer mit schweren Waffen winken, soll ich stehen bleiben. Links und rechts quetschen sich Passanten am Auto vorbei. Angekommen. Und wo parke ich jetzt? "Hier", sagen Jungs mit Walkie-Talkies und grinsen angespannt. Sie zeigen mitten auf die Straße, vor das Häuschen meines Gesprächspartners. Die Scheiben des Autos bleiben unten, die Türen unverschlossen, den Schlüssel darf ich bei den Aufpassern lassen. Typen, die mir nachts im Stadtzentrum wohl das Handy entreißen würden, jetzt passen sie auf meinen Mietwagen auf. Nach zwei Stunden fahre ich zurück und habe eine wichtige Lektion über die Straßenverkehrsordnung in der Favela gelernt: Am sichersten parkt man im Schutz des Drogenbarons.