Es herrscht ein Krieg auf unseren Straßen, und die Krieger tragen Essen aus. Im Gefolge der Pizza-Taxis etablieren sich Lieferdienste, die mit angesehenen Restaurants zusammenarbeiten. Heutzutage wird ja alles im Netz bestellt, warum nicht auch gleich ein ganzes Dinner?

Die Konkurrenz auf diesem Gebiet ist hart. Die beiden Marktführer in Hamburg, Foodora und Deliveroo, sind zwei international aktive Start-ups, die keinen Aufwand und auch sonst wenig scheuen, um einander Kunden abzujagen. Wer besser ist? Wir machen den Vergleich.

Foodora wirbt mit freundlichen Fahrern und flotter Lieferung, meist innerhalb einer halben Stunde. Wer zentral wohnt, hat eine beachtliche Auswahl: tagsüber mehr als dreißig Lokale vom Griechen bis zum Veganer, abends noch einige mehr. Große Namen sind nicht dabei, aber ein paar mittelgroße. Warum nicht eine Wan-Tan-Suppe und den Salat der "tausend Geschmacksrichtungen" von Suzy Wong in Pöseldorf? Man bestellt komfortabel per App und zahlt per Kreditkarte, etwas mehr als im Restaurant, dafür mit einer moderaten Liefergebühr. Eine halbe Stunde später klingelt es – am Telefon. Janine vom Kundenservice ist untröstlich: Das Restaurant habe gebummelt, zehn Minuten dauere es noch. Es sind dann nicht einmal fünf.

Der Fahrer erwidert den Gruß mit einem waidwunden "Hääch!". Nach vier Runden Altbautreppenhochsprung ist ihm das nicht zu verübeln. Die Tüte, die er da lässt, sieht edel aus. Das Essen darin taugt. Von den tausend Geschmäckern fehlen ein paar, aber dafür kann Foodora nichts. Es ist ja die Ungeduld des Kunden, der im Restaurant klaglos warten würde, daheim jedoch sein Menü am liebsten herbeischnippen möchte. Slow Food, aber pronto – das wäre zu viel verlangt. Oder? Gegenprobe bei Deliveroo.

Die Restaurantauswahl ist nicht nur vergleichbar, sondern teils identisch. Die Wirte sind nicht dumm; sie machen sich die Konkurrenz zunutze. Hier lockt das Verdi, ein gehobener Italiener, der auf Wunsch auch Vier-Gänge-Menüs nach Hause schickt. Bestellt wird ähnlich. Die App erstellt eine Ankunftsprognose. 50 Minuten in diesem Fall; es klingelt aber schon nach 29. Hat Deliveroo die besseren Fahrer? Nein, sagt die Frau, reiner Zufall. Wie viele Kollegen arbeite sie für mehrere Lieferdienste. Das werde sogar von ihr erwartet – "wegen Scheinselbstständigkeit".

Es kommt also gar nicht darauf an, welchen der beiden Anbieter man wählt. Wichtiger ist das Restaurant und mehr noch das Gericht. Suppen, Sushi oder Salate überstehen den Transport. Die bestellte Saltimbocca dagegen macht wenig Freude. Warm ist sie, das immerhin, auch gut gewürzt. Doch die Weißweinsoße hat den Schinkenmantel durchtränkt, und der Salbei verliert sich im Spinatbett. Fürs Anrichten bleibt keine Zeit mehr, also mampft man aus der Aluschale und fragt sich, woher bloß man dieses triste Essgefühl kennt.

Natürlich: vom schnellsten Fast Food überhaupt – der Bordverpflegung im Flugzeug.