Die "Imboden-Kommission" hat der Exzellenzinitiative ein gutes Zeugnis ausgestellt

Bund und Länder hatten eine Expertenkommission unter Leitung des Schweizer Physikers Dieter Imboden eingesetzt, um die Exzellenzinitiative zu bewerten – und wollten dann entscheiden, wie der Elite-Wettbewerb fortgesetzt wird. Laut Kommission hat die Initiative eine große Hebelwirkung gehabt. Mit dem Einsatz von 4,6 Milliarden Euro habe sie das deutsche Hochschulsystem international sichtbar gemacht. Das sei "im Vergleich zu den Etats amerikanischer Universitäten pro Universität ein verschwindend geringer Betrag", meint ein Kommissionsmitglied, der frühere Stanford-Präsident Gerhard Casper. "Sie hat wirklich etwas bewegt – und das in einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka der ZEIT.

Die Politik war von dem Bericht schockiert

Die Politik hatte nur einen halben Tag Vorsprung: Am Freitagmorgen stellte Dieter Imboden seine Ergebnisse der Bundespressekonferenz vor, erst am Donnerstagnachmittag hatte er die Ergebnisse seinen Auftraggebern, den Wissenschaftsministern, erklärt. Dort sah Imboden nach seinem Lob der Initiative in zufriedene Gesichter. Bis er berichtete, wie die Kommission sich die Zukunft des Wettbewerbs vorstellt. Bislang bestand die Exzellenzinitiative aus drei Komponenten: Sie förderte den Wissenschaftlichen Nachwuchs in Graduiertenschulen, große Forschungsprojekte als "Exzellenzcluster" und kürte in den "Zukunftskonzepten" die Elite-Unis. Statt drei solle es nun nur noch zwei Linien geben. Mit Förderlinie A hatten alle gerechnet: Exzellenzcluster, ähnlich wie bislang, nur flexibler und offener. Als Imboden den Ministern dann die Idee für Linie B beschrieb, wurde es unruhig, einige Minister hätten einen bemühten Gesichtsausdruck gehabt, heißt es. Statt langer Anträge mit Zukunftskonzepten soll es nach den selbstbewussten Vorschlägen der Experten eine Exzellenzprämie für die zehn forschungsstärksten Unis geben. Nur Baden-Württembergs grüne Wissenschaftsministerin Theresia Bauer muss sich gut gefühlt haben: Sie hatte eine solche Prämie im Herbst vorgeschlagen.

Wie es zu dem Vorschlag kam

Dass es keine Förderlinie "Graduiertenschulen" geben wird, hatte jeder erwartet – denn es gibt mittlerweile sehr viele Nachwuchswissenschaftler. Systematisch betrachtet, sind die beiden Vorschläge sehr gut konturiert: Linie A fördert per Antrag Forschungsfelder, belohnt also Zukunftsversprechen. Linie B fördert Institutionen und ihre Leistungen der Vergangenheit. Dass man zehn Unis auszeichnen will, hat mit der politischen Klugheit der Kommission zu tun – je mehr Unis Elite-Krönchen bekommen, desto mehr Bundesländer haben eine Chance darauf.

Elite-Prämie statt Elite-Konzepte?

Die zehn forschungsstärksten Universitäten sollen für sieben, acht Jahre je 15 Millionen pro Jahr bekommen. Sie sollen die neuen Elite-Unis werden. Doch der Modus der Auszeichnung soll sich ändern. Bislang mussten die Unis Ideen für ihre Zukunft aufschreiben, um Elite zu werden. Nun sollen vergangene Leistungen belohnt werden. "Die Zukunftskonzepte sind zu Recht abgewatscht worden", sagt der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator George Turner ganz im Sinne der Kommission, "da wurden viele Luftschlösser gebaut." Matthias Kleiner, der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, hält dagegen: "Das Fokussieren der Gedanken und die Verständigung nach innen waren für die Universitäten sehr wichtig." Sollte es die Exzellenzprämie geben, besteht eine Gefahr: dass sie die Top-Liga der Unis zementiert. Wer einmal oben ist, bleibt oben. Schnelle Aufsteiger haben weniger Chancen. "Die Vergangenheit ist nicht die Garantie der Zukunft", sagt Johanna Wanka – der Erfolg der Exzellenzinitiative liege auch im Wettbewerb der Konzepte. Noch sind viele Fragen offen: Wer soll den Elite-Algorithmus entwickeln? Was ist seine Formel? Wo zieht man die Grenze zwischen Elite und Nicht-Elite? "Das gibt heftige Konflikte", sagt Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, "das ist eine Aufgabe, an der man scheitern kann."

So könnte die nächste Exzellenzrunde aussehen

Im April werden Bund und Länder entscheiden, wie es weitergeht. "Die Vorschläge der Imboden-Kommission sind nicht der Heilige Gral", sagt Manfred Prenzel. Auch Matthias Kleiner sagt: "Die Politik wird sich frei fühlen, einen eigenen Weg zu gehen." Doch ganz so einfach wird es nicht sein: Die Politik kann sich nicht einfach herauspicken, was sie mag. Dafür haben die Minister die Bedeutung des Berichts im Vorfeld zu sehr hochgejubelt und auf jede Nachfrage nach der Zukunft der Initiative gesagt: "Warten wir den Imboden-Bericht ab." Dass die Exzellenzzentren kommen, darüber gibt es jedoch Konsens. Dass es die Exzellenzprämie geben wird, glaubt selbst Kommissionsmitglied Casper "nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent". Denn politikfern ist ein vorgeblich nüchterner Algorithmus nicht. "Zwei Drittel der Länder könnten sich sofort ausrechnen, dass ihre Universitäten dann eher nicht zum Zuge kommen würden", so der Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Peter Strohschneider.

Wann die nächste Runde beginnt

Die Imboden-Kommission will den Start in die neue Wettbewerbsrunde um zwei Jahre verschieben, auf 2020, damit Politik und Wissenschaft genug Zeit für die Vorbereitung haben. Die bisherige Förderung soll einfach länger laufen. Bei der Vorstellung des Berichts hatte Wanka verhaltene Sympathie für ein Moratorium durchblicken lassen. "Das wird Wanka nie mitmachen", sagt indes ein Ministerkollege, lande man doch mit dem "Finetuning der Wettbewerbsgestaltung" in der nächsten Legislaturperiode. "Zwei Jahre Zeit zum Nachdenken sind heikel und politisch riskant", sagt Manfred Prenzel. Wahrscheinlich ist, dass die Politik den Start nur für ein Jahr verschiebt: Die Weichen werden vor der Bundestagswahl gestellt, es bleibt trotzdem genug Zeit fürs Anträgeschreiben.

So werden sich die Universitäten verändern

"Ich werde mich sehr engagieren für die Verbesserung der universitären Governance und den Vorschlag der Exzellenzcluster", sagt Ministerin Wanka und spricht damit die großen Hausaufgaben an, die die Kommission den deutschen Unis gegeben hat: Werdet verschiedener und stärkt eure Präsidenten! Dass es sinnvoll ist, dass Universitätsleitungen Schwerpunkte setzen, bezweifelt kaum jemand. Dass das in den harmoniesüchtigen deutschen Hochschulen geht, aber schon. "Man kann eine Universität nicht top-down regieren", sagt die frühere Chefin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel.

Ist der Vorschlag der Kommission deshalb zum Scheitern verurteilt? Nein, sagt Gerhard Casper: "Nur wenn man die Führungsstruktur ändert, kann man eine Universität verändern."