DIE ZEIT: Herr Imboden, Sie haben sich selbst einmal als Hofclown der deutschen Wissenschaft bezeichnet. Das klingt harmlos. Dabei haben Sie die deutschen Wissenschaftsminister vergangene Woche schockiert.

Dieter Imboden: Dieses Gefühl hatte ich, ja.

ZEIT: Eine Kommission unter Ihrer Leitung hat die Exzellenzinitiative evaluiert. Sie haben dem Elite-Uni-Wettbewerb ein gutes Zeugnis ausgestellt – aber Vorschläge für seine Fortführung gemacht, die kaum jemand erwartet hatte. Zum einen wollen Sie Exzellenzzentren, also flexiblere Exzellenzcluster. Zum anderen wollen Sie eine Exzellenzprämie an die besten zehn Universitäten zahlen, gemessen nicht an Zukunftskonzepten wie bisher, sondern an den Leistungen der Vergangenheit.

Imboden: Wenn man die Diskussionen zwischen SPD und Union verfolgte, bekam man den Eindruck: Die konnten sich gar nicht vorstellen, dass wir uns so weit vom aktuellen Modell der Exzellenzinitiative entfernen. Auch, dass wir vorschlagen, den Prozess aus dem selbst auferlegten zeitlichen Korsett zu befreien und der nächsten Runde mehr Zeit geben wollen, hat sie geschockt. Ich bin nicht sicher, ob sie das Moratorium annehmen, doch es wäre für die Qualität der dritten Runde fantastisch. Und es gibt keinen einzigen vernünftigen Grund, der dagegen spricht.

ZEIT: Doch. Die nächste Förderrunde würde erst weit in der nächsten Legislaturperiode starten; Johanna Wanka wäre möglicherweise nicht mehr Bildungsministerin.

Imboden: Vielleicht bin ich doch ein bisschen Hofclown. Viel stärker verstehe ich mich allerdings als Anwalt der Universitäten. Mir geht es darum, dass sie innerhalb des Wissenschaftssystems eine höhere Wertschätzung bekommen – das geht mit unseren Vorschlägen.

ZEIT: Die "Imboden-Kommission" tagte seit September 2014. Die Politik betonte, sie wolle auf die Ergebnisse warten, bevor sie über die Fortsetzung der Initiative diskutiere. Wie oft mussten Sie sich gegen den Einfluss der Politik wehren?

Imboden: Als ich den Vorsitz der Kommission übernommen habe, war klar, dass wir die absolute Freiheit haben, die Evaluation so zu gestalten, wie wir es für richtig halten.

ZEIT: Wir sollen Ihnen glauben, dass nicht von allen Seiten an Ihnen gezerrt wurde, um Ihre Empfehlungen zu beeinflussen?

Imboden: Als misstrauische Journalisten können Sie sich das nicht vorstellen – und natürlich stimmt es so auch nicht. Ich hatte eine Taktik: Ich habe nie Gespräche verweigert, habe meine Analyse aber von den Gesprächen nicht beeinflussen lassen. Sich der politischen Diskussion auszusetzen, ohne sich kaufen zu lassen ist der Kommission bis zum Schluss gelungen. Ehrlich gesagt: Das ist auch für mich ein Wunder!

ZEIT: Wissenschaftspolitiker und Journalisten haben fieberhaft versucht, Ihr Gutachten vorab zu bekommen. Doch niemand aus der Kommission hat ein Sterbenswörtchen nach außen getragen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Imboden: Eine Stunde nachdem ich die Sitzung der Kommission eröffnet hatte, waren wir ein verschworener Club. Wir hatten keine Eigeninteressen und waren bei der Analyse der Probleme des Wissenschaftssystems schnell einig. Wir haben auch die Idee, regionale Zusammenschlüsse zu prämieren, die lange in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, schnell verworfen – damit wäre der Wettbewerb zu stark von der Politik zu beeinflussen. Das alles heißt aber nicht, dass es immer harmonisch zuging.