DIE ZEIT: Herr Bonz, droht Hamburg eine Zukunft als Regionalhafen?

Gunther Bonz: Wenn wir die derzeitigen Herausforderungen nicht meistern, dann ja.

ZEIT: Im weltweiten Maßstab ist es schon so weit. Die zehn größten Häfen der Welt sind fast alle in Asien. Hamburg ist auf Platz 15 abgerutscht.

Bonz: Das ist immer noch Champions League, zumal in Europa. Wenn wir keine Fehler machen, werden wir auch in Zukunft unter den Top 20 der Welt bleiben.

ZEIT: Derzeit sieht es nicht danach aus.

Bonz: Uns bleibt die Hoffnung, dass das Verfahren zur Elbvertiefung Ende des Jahres zum Abschluss kommt und 2017 die Baumaßnahmen erste Verbesserungen bringen. Was alle Häfen trifft, ist die schlechte Konjunktur. Aber da gab es immer Aufs und Abs. Da mache ich mir keine Sorgen. Wir ärgern uns über hausgemachte Probleme, zum Beispiel die Verschlickung des Hafens.

ZEIT: Dass Sand und Sedimente mit der Flut in den Hafen gespült werden, ist nichts Neues. Warum soll das jetzt der Grund für den Umschlagrückgang sein?

Bonz: Seit mehr als hundert Jahren haben die Hamburger die Sedimente aus der Elbe geholt und verwertet, zum Beispiel auf Felder gestreut oder in Deichen verbaut. Vor allem hat man den Sand zurück in die Nordsee gebracht, wo er herkommt und hingehört. Aber in den letzten Jahren hat die Hafenverwaltung den Schlick einfach bei Wedel wieder in die Elbe geschüttet. Das ist, als würden Sie Ihren Hausflur kehren und den Staub direkt vor die Tür kippen, damit er beim nächsten Windstoß wieder hereinfliegt.

ZEIT: Die Hafenverwaltung hat so viel Schlick aus dem Hafen baggern lassen wie selten zuvor. Umweltverbände sagen, dass die Menge wegen der Elbvertiefungen zugenommen hat.

Bonz: Das stimmt nach den uns vorliegenden Zahlen nicht. Das Sedimentaufkommen ist seit 1999/2000 insgesamt nicht wesentlich gestiegen. Die Verteilung innerhalb des Elbstroms hat sich aber zulasten Hamburgs verändert, weil der ausgebaggerte Schlick eben viel zu nah an Hamburg wieder ins Wasser gekippt wurde.

ZEIT: Manche Wirtschaftswissenschaftler prophezeien schon das Ende der Globalisierung – und Sie sind trotzdem überzeugt, dass der Hamburger Hafen wieder stark wachsen wird.

Bonz: Richtig ist, dass derzeit weniger Güter transportiert werden, aber die Weltwirtschaft wächst noch immer. In der Hochphase der Globalisierung hieß es, dass ein Prozent Wirtschaftswachstum viermal so viel Gütertransport auf See nach sich zieht. Das hat sich jetzt auf den Faktor zwei bis drei abgeschwächt. Außerdem hat der Hamburger Hafen auch ganz besondere Stärken, zum Beispiel beim Bahntransport im Hinterland und der Qualität der Terminals und der Mitarbeiter.

ZEIT: Vor neun Jahren prognostizierte das Planco-Institut noch mehr als 27 Millionen umgeschlagene Standardcontainer für Hamburg im Jahr 2025. Im Hafenentwicklungsplan ist von gut 25 Millionen die Rede. Was schätzen Sie?

Bonz: Ich habe diesen Gutachten nachweislich nie geglaubt. So wurde zum Beispiel das Zuwachspotenzial der Nordseeküste ganz wesentlich dem Hamburger Hafen zugeschlagen. Außerdem wurde nicht berücksichtigt, dass sich die Terminal-Kapazitäten an der Nordsee verdreifachen werden. Da ist doch klar, dass es jetzt einen Wettbewerb um Ware gibt.