"Wir sind dankbar, dass wir diese Werke so lange als großzügige Leihgabe haben durften, aber ihr Fehlen wird uns das Leben schwerer machen", sagt Martin Faass, Direktor der Liebermann-Villa am Wannsee. Er spricht von einer Reihe von Bildern Max Liebermanns, die ihm künftig nicht mehr zur Verfügung stehen werden – weil sie diese Woche bei Christie’s in London zur Auktion aufgerufen worden sind. Die vier Gemälde und Pastelle von Max Liebermann, darunter Reitender Junge am Strand – dickes Pferd (1903) , und eine Liebermann darstellende Büste von Georg Kolbe gehörten der Kunstkreis Berlin GbR, einem Zusammenschluss von Sammlern und Investoren. Der Kunstkreis hatte die Werke der Liebermann-Villa geliehen – und damit selbstverständlich auch deren Wert gesteigert.

Erstaunlich viele weitere Werke deutscher Künstler aus deutschen Sammlungen kamen und kommen in dieser Woche in London zum Aufruf. Darunter auch solche, für die sich Sotheby’s oder Christie’s noch vor einigen Jahren nicht interessiert hätten, die sie nun aber deutschen Auktionshäusern wegschnappen. Der Kampf um den – vor allem von Sotheby’s lange vernachlässigten – Mittelpreismarkt, wird jetzt international geführt. Schon im vergangenen Jahr, als die Debatte um das neue deutsche Kulturgutschutzgesetz gerade erst begann, hatten Unternehmen in London deutschen Sammlern gezielt angeboten, ihre Schätze kostenlos einzulagern – und zwar unbegrenzt.

Das Prinzip Panik in Sachen Kulturgutschutzgesetz, von einigen Medien und Händlern kräftig geschürt, scheint gewirkt zu haben: Gerade wurden neben wichtigen Gemälden von Kirchner, Beckmann oder Marc auch ein belangloses Aquarell von Pechstein und Dutzendblätter von Nolde in London versteigert. Sie alle wären mit Sicherheit nie unter den Schutz als "nationales Kulturgut" geraten. Trotzdem trennen sich namhafte Sammler aus Nord- und Süddeutschland zurzeit von ganzen Konvoluten. Die Unruhe, die das von der EU erzwungene und in Deutschland schlecht vermittelte neue Kulturgutschutzgesetz ausgelöst hat, schadet aber nicht nur dem deutschen Handel. Martin Faass kann auch berichten, dass manche Privatsammler und Kunsthändler aus Angst vor dem Gesetz selbst vor kurzzeitigen Leihgaben zurückschrecken: "Wir mussten bereits eine Ausstellung absagen. Für ein Haus wie unseres, das keine große eigene Sammlung hat, ist das keine gute Perspektive."