Während die Bundesregierung seit Monaten über die schnellere Abschiebung von Flüchtlingen diskutiert, kehren viele von ihnen freiwillig in ihre Heimat zurück. Und das, obwohl dort meist noch immer Krieg herrscht.

Dennoch gibt es sogar eigene Förderprogramme für Rückkehrwillige. Diese Programme haben – öffentlich kaum wahrgenommen – inzwischen sogar eine viel größere Bedeutung als die Abschiebungen. Mindestens 37.000 Flüchtlinge reisten 2015 über ein Rückkehrprogramm aus, abgeschoben wurden rund 21.000.

Die Gründe, warum Asylsuchende zurückwollen, sind ganz unterschiedlich: familiäre Verpflichtungen, enttäuschte Erwartungen oder einfach Heimweh. Vor allem bei Flüchtlingen aus den Balkanländern ist es oft auch die Einsicht, dass sie vergeblich auf Asyl warten. Viele Rückkehrer eint aber, dass sie durch die Flucht die ganze Existenz aufgegeben haben. "Viele haben keine dauerhafte Bleibeperspektive – aber auch kein Geld, zurückzukehren, selbst wenn sie es wollten", sagt Patrick Schmidtke, der beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) das Referat Rückkehrprojekte leitet.

Das meistgenutzte Programm wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert, es nennt sich abgekürzt REAG/GARP. Flüchtlinge werden schon beim Stellen des Asylantrags darauf hingewiesen. Nach diesem Programm wird Asylsuchenden das Ticket für die Heimreise bezahlt. Hinzu kommen kann eine Reisebeihilfe von 200 Euro und eine Starthilfe von 300 bis 500 Euro. "Ich verlasse die Bundesrepublik Deutschland dauerhaft", steht in dem Formular, das die Flüchtlinge unterschreiben. Wer dennoch wiederkommt, muss das Geld zurückzahlen.

Trotz der hohen Kosten ist das unter dem Strich ein Geschäft für den Staat. Mindestens 1.000 Euro kostet ein Asylbewerber durchschnittlich im Monat, den größten Teil machen Unterkunft und Verpflegung aus. Zudem ist es deutlich günstiger, wenn ein Flüchtling freiwillig abreist, als wenn er unter Polizeibegleitung abgeschoben wird. Das kann pro Familie schon mal mehrere Tausend Euro kosten.

Flüchtlinge vom Westbalkan bekommen vom Bund keine Starthilfen mehr – ihnen wird seit 2016 nur noch die Heimreise bezahlt. Heimkehrende Balkan-Flüchtlinge bekommen kein Bargeld in die Hand, Reintegration findet stattdessen vor Ort statt, sagt Bamf-Referatsleiter Schmidtke. Es ist eine politische Entscheidung, die wohl verhindern soll, dass Menschen wegen der Zahlungen überhaupt erst einreisen.

In der kosovarischen Hauptstadt Prishtinë haben der Bund und sechs Bundesländer eigens ein Zentrum für Rückkehrer errichtet. Für Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat ist das Zentrum aber nur ein "Feigenblatt". Dort erhalten nur solche Flüchtlinge finanzielle Hilfen, die mindestens sechs Monate in einem der beteiligten Bundesländer gelebt haben. "Es ist keine Lösung, Menschen ohne einen Cent in der Tasche zu Tausenden in Prishtinë am Flughafen abzuliefern", sagt Dünnwald. Es gelte vor allem, Ausbildungsplätze im Kosovo zu schaffen. "Erfolgreiche Rückkehrförderung wird zu oft allein an der Zahl der Heimkehrer gemessen."

Eine eigene, pragmatische Strategie im Umgang mit Balkan-Flüchtlingen verfolgt seit Ende 2014 der badische Landkreis Lörrach. Er zahlte mehrmals eigene Starthilfen aus – und zwar ausschließlich an freiwillig ausreisende Flüchtlinge vom Westbalkan. Eine Familie mit zwei Kindern erhielt beispielsweise bis zu 2.400 Euro. Die Aktionen waren zeitlich begrenzt, damit niemand nur des Geldes wegen einreist.

"Das ist aus der Not heraus geboren", sagt Junia Folk, Sprecherin des Landkreises. Es fehlte schlicht Platz in den Flüchtlingsunterkünften. Das Geld sollte Flüchtlinge, deren Bleibechance gegen null geht, überzeugen. Bisher sind 440 Menschen auf diese Weise in ihre Heimat zurückgekehrt, nur eine Familie ist mittlerweile wieder in Lörrach. Diese erhält nun stark gekürzte Leistungen – das stand so im Vertrag. Bei den ersten drei Aktionen dieser Art gab der Landkreis insgesamt 65.000 Euro aus. Die Kosten wären weitaus höher gewesen, wenn die Flüchtlinge geblieben wären, sagt Folk.

Der Landkreis erntete mit seinem Modell dennoch viel Kritik. Bestechung sei das, sagt Matthias Forster, Vorsitzender des Vereins Refugees Welcome Lörrach. "Flüchtlinge haben ein faires Asylverfahren verdient und sollten nicht mit Geld zur Rückkehr gedrängt werden."

Für Rückkehrer in den Irak gibt es ein eigenes vom Bund und von der EU finanziertes Projekt. Wer etwa in die von Kurden erfolgreich gegen den "Islamischen Staat" verteidigten Region im Nordirak zurückmöchte und Hilfen beantragt, wird in Erbil am Flughafen abgeholt und bei der Arbeitssuche oder etwa der Gründung eines Lebensmittelladens oder einer Waschanlage unterstützt. Flüchtlinge sollen die Chance bekommen, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Allerdings erhalten Rückkehrwillige nicht überall in Deutschland die gleiche Beratung. Im Flüchtlingszentrum Hamburg zum Beispiel gibt es für Asylsuchende vom Balkan derzeit gar keine mehr. Der Grund: Die gemeinnützige Beratungsstelle ist hoffnungslos überlastet. Zu groß ist der Andrang von Flüchtlingen aus Afghanistan und dem Irak.