"Wenn zwei große Länder sich zusammentun, leidet immer ein Dritter", sagt der slowakische Premier Robert Fico noch diplomatisch. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk spricht gar von einem "antiukrainischen Projekt". Obwohl Nord Stream 2 bislang nur auf dem Papier existiert, hat der ukrainische Gaskonzern Naftogaz bereits eine Beschwerde bei der Europäischen Energiegemeinschaft eingereicht.

Der zweite Vorwurf wird nicht nur in Osteuropa erhoben: Nord Stream 2 widerspreche den strategischen Zielen der Energieunion, auf die sich die EU kürzlich verständigt hat. Eines der wichtigsten Ziele ist es, möglichst verschiedene Energiequellen anzuzapfen. Die Länder der Union sollen vor allem von russischem Gas unabhängiger werden. Mit Nord Stream 2 aber würde der russische Gasmulti Gazprom allein in Deutschland seinen Marktanteil von 40 auf 60 Prozent erhöhen. Der zuständige Energiekommissar Miguel Arias Cañete argumentiert zudem, die neuen Röhren würden nicht nur die Abhängigkeit von einem Lieferanten erhöhen, sondern auch die Wahl der Transportwege einschränken. 80 Prozent der russischen Gasimporte, erklärte Cañete vor dem Europaparlament, könnten künftig durch die Ostsee fließen. "Deshalb kann Nord Stream 2 niemals ein Projekt werden, das im gesamteuropäischen Interesse liegt."