Sie sind eine fast unerforschte Spezies: Professoren mit ausländischer Herkunft. Den Hochschulforscher Andrä Wolter wundert das nicht. "In der Öffentlichkeit ging es lange immerzu um den gefürchteten Braindrain", sagt er, "also die Sorge, dass die besten Forscher Deutschland verlassen." Doch im Schatten der Braindrain-Debatte ist die Zahl der Professoren mit ausländischem Pass zwischen 2006 und 2013 um 46 Prozent gestiegen.

Diese Statistik des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ist aktuell mehrfach interessant: Erstens belegt sie die gewachsene Attraktivität der deutschen Forschungslandschaft. Und zweitens sind mehr internationale Professoren genau das, was die Hochschulen jetzt brauchen – angesichts von etwa 50.000 Flüchtlingen, die allein in diesem Jahr ein Studium aufnehmen wollen.

"Internationale Professoren haben eine besondere Kompetenz, auf die Erfahrungswelt von Einwanderern und Flüchtlingen einzugehen", sagt Andrä Wolter, der an der Berliner Humboldt-Universität forscht. Als "internationale Professoren" bezeichnet er ausländische und deutsche Hochschullehrer mit Migrationshintergrund. Sie seien "Agenten der Internationalisierung", so formulieren es Wolter und seine Kollegen vom Forschungsprojekt "Mobil" in ihrer Studie, die der ZEIT vorliegt.

Allein in Berlin und Hessen gibt es demnach rund 800 der "Internationalen", sie sind mit 49 Jahren im Schnitt zwei Jahre jünger als die übrigen Professoren, mit 34 Prozent Anteil sind deutlich mehr Frauen unter ihnen. Vor allem aber pflegen sie ihre internationalen Netzwerke – und fördern intensiv den internationalen Nachwuchs hierzulande. "Das Potenzial, das in dieser Gruppe steckt, ist bemerkenswert", sagt Wolter. Vielleicht sollten die Hochschulleitungen besonders gut auf sie hören.