Der Bundesfinanzhof zwingt uns leider dazu, das unerschöpfliche Thema des Arbeitszimmers abermals aufzugreifen. Anlass ist das jüngste Urteil, dem zufolge ein Arbeitszimmer nur dann steuerlich abgesetzt werden darf, wenn es ausschließlich beruflichen Zwecken dient. Eine Couch oder gar ein Bett legen den Verdacht nahe, dass der Steuerbürger seinen Arbeitsplatz zu berufsfremden Zwecken missbraucht. Dazu zählt auch die Reproduktion seiner Arbeitskraft, für die einzig das Schlafzimmer vorgesehen ist. Wer schläft, arbeitet nicht, so weit scheint das Urteil klar. Allerdings, und hier müssen wir Einspruch erheben, verkennt es die Eigenart geistiger Tätigkeit vollkommen.

Mit allem Respekt sei das Hohe Gericht auf ein wahrlich nicht unbekanntes Gemälde hingewiesen, auf den Armen Poeten von Carl Spitzweg. Der Dichter haust in einem winzigen Dachzimmer und liegt, eingehüllt in seinen Morgenmantel, gepolstert von Daunenkissen, in seinem Bett, über dem sich gegen das tröpfelnde Dach ein Regenschirm spannt. Der Poet hat die Schreibfeder zwischen die Lippen geklemmt, hält mit der Linken einige Bögen Papier und presst den Daumen der Rechten an den Zeigefinger, als hätte ihn eben ein Geistesblitz getroffen. Nur auf diese Weise kommt Großes zustande, denn "Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz", wie Mark Twain bemerkte.

Es ist schade, dass der Finanzhof nur das Donnern für absetzbar hält, nicht jedoch den Blitz. Aus der Spitzweg-Szene geht nämlich zwingend hervor, dass ein Bett als Arbeitsplatz hervorragend taugt und dass die Vorstellung, ein Arbeitszimmer müsse dem Büro eines Finanzrichters gleichen, von Weltfremdheit zeugt. Die Handarbeit ist bekanntlich von der Kopfarbeit weitgehend verdrängt worden, und der wahre Geistesmensch arbeitet an jedem Ort und ohne Unterlass – so wie Goethe, der einmal schrieb "Ich ging im Walde / so für mich hin ..." und somit eines der berühmtesten Gedichte verfertigte.

Nun wäre es vielleicht übertrieben, die steuerliche Absetzbarkeit eines Waldspaziergangs zu fordern. Es wäre auch sinnlos, weil Finanzamtsfragen letztlich geisttötend sind. Nicht wenige Heroen der Geistesgeschichte haben keine Steuern bezahlt, entweder weil sie sich weigerten (Henry David Thoreau zum Beispiel) oder weil sie nichts hatten. Schuldturm und Elfenbeinturm waren einander oft benachbart.

Wir anderen aber, wir Kanalarbeiter alltäglicher Gebrauchsprosa, finden uns damit ab, dass der Finanzhof uns das Arbeitsnickerchen missgönnt.