Als Donald Trump Ende Januar auf die schmucklose Bühne in der Stadt Altoona in Iowa tritt, weiß er noch nicht, dass er in wenigen Tagen seine erste große politische Niederlage erleiden wird. Er wird von schwarz gekleideten Männern des Secret Service begleitet, sie haben Funkknöpfe im Ohr und machen ernste Gesichter. Trumps Auftritt bei der verschlafenen Vereinigung Erneuerbarer Energien wirkt dadurch sofort dramatisch, so als werde hier ein Kinofilm gedreht, der auf ein Duell hinausläuft, einen Kampf der Giganten. Und die Frage, wer das konservative Herz Amerikas erobern wird. Trump oder sein Rivale Ted Cruz, der junge, erzkonservative Senator aus Texas. Für Trump schien das lange nur eine rhetorische Frage, denn er hatte die besten Umfragewerte, überall. Sie waren sein bestes Argument. Nach dem Motto: Wer mich wählt, wählt den Sieg.

Weil Trump in diesem Wahlkampf so populär ist wie kein anderer Kandidat, hat die Obama-Regierung ihm den Schutz durch ihre Agenten zugestanden. Jene Regierung, die Trump vom Hof jagen will, bezahlt seine Wächter. Noch so ein Sieg des Absurden für den Meister des Schrägen.

Doch während Amerika wie gebannt auf Trump starrte, entschied Ted Cruz das erste Duell um die Nominierung im religiösen Iowa für sich.

Als Staatsanwalt hat Cruz vor dem Supreme Court erfolgreich gegen die Abtreibung gekämpft, auch gegen die Einschränkung des Rechts, Waffen zu tragen, und immer wieder für die Todesstrafe. Im Streit um den Haushalt 2012 brachte er lieber die Regierung zum Stillstand, als einen Kompromiss einzugehen, der die Staatsschulden vergrößert hätte.

Mit seiner Radikalität hat er sich in Washington keine Freunde gemacht. Keiner seiner Kollegen aus dem Senat hat sich bislang für ihn ausgesprochen. Sollte er jedoch am kommenden Dienstag in New Hampshire ebenfalls gewinnen, könnte sich das ändern. Dann stünden seine Chancen im Rennen um die Nominierung im Sommer gar nicht so schlecht. Trump allerdings führt bisher noch die Umfragen an.

Zwei Extremisten auf den vorderen Plätzen? Wie konnte das passieren? Was ist los im konservativen Amerika?

Die Menschen, die im Saal vor Donald Trump sitzen, sind weiß, sie leben von der Ethanol-Produktion und von Washington. Denn der aus Mais gewonnene Treibstoff wird durch Subventionen gefördert. Iowa gehört zum ländlichen Herzen Amerikas, zum sogenannten Heartland. Eine Landschaft aus endlosen verschneiten Feldern, Maissilos, amerikanischen Flaggen und unzähligen kleinen Kirchen – Zeichen von harter Arbeit, patriotischem Stolz und Gottgläubigkeit.

Die Finanzkrise von 2007 hat dieses Herz sehr geschwächt. Trump will es wieder stolz schlagen lassen. "Ich liebe Ethanol", ruft er den Leuten zu. "Ich stehe zu 100 Prozent hinter euch." Wenn es darum geht, das Herz Amerikas zu schützen, dann schert Trump sich wenig um moralische und ideologische Grenzen. Seine Botschaft: Ich kämpfe dafür, dass euch keiner etwas wegnimmt.

Ted Cruz lässt seine Veranstaltungen mit einem Gebet beginnen. "Gott, unsere Republik ist krank, und wir brauchen wieder einen großen Führer", mit diesen Worten eröffnet der Rektor des Faith Baptist Bible College in Ankeny, Iowa, die Versammlung. Im Publikum sieht man Familien mit vier, fünf oder sechs kleinen Kindern, fast jeder trägt das Kreuz entweder an einer Kette um den Nacken oder als Anstecker. Vorne in der ersten Reihe, ganz nah an der Bühne, sitzen Betty und Richard Odgaard. Bis vor wenigen Monaten besaßen sie eine alte, bildschöne Steinkirche, in der Betty ein Café und eine Galerie betrieb. Auch Hochzeiten richteten sie aus. Wirtschaftlich geht es ihnen zwar nicht schlecht. Dennoch klagen auch sie, dass man ihnen etwas weggenommen habe. Die Odgaards sind gläubig, das Sakrament der Ehe ist ihnen heilig, und als ein schwules Paar ihren Hochzeitsservice in Anspruch nehmen wollte, lehnten sie das ab. "Das ist Sünde", sagt Richard. Das Paar verklagte die Odgaards, denn in Iowa ist die Homo-Ehe seit 2009 legal. Man bot ihnen an, die Klage fallen zu lassen, würden die Odgaards zustimmen, von nun an Hochzeiten auch für Schwule anzubieten. Ohne das Hochzeitsgeschäft konnten die Odgaards ihre Hypothek nicht abbezahlen. Dennoch blieben sie hart und entscheiden sich gegen den Deal. "Die Schwulen haben mit ihrem Recht zu heiraten etwas bekommen, aber uns hat man damit etwas weggenommen", resümiert Betty. Sie verehrt Ted Cruz, weil er verspricht, es ihnen wiederzugeben. Die Ehe ist für sie offenbar ein rares Gut.

Zusammen haben Trump und Cruz 52 Prozent geholt in dieser ersten Vorwahl, eine satte Mehrheit. Ihr Aufstieg ist das Ergebnis einer Revolte der Aus-dem-Blick-Geratenen. Die einen fühlen sich von Obama und seiner liberalen Politik kulturell an den Rand gedrängt, die anderen vor einer globalisierten Wirtschaft nicht mehr ausreichend geschützt. Beide Gruppen werfen das ihrer Partei, den Republikanern, vor. Weil deren Elite sich nur um die Macht, nicht aber um die Nöte ihrer Wähler schere. Nun beginnt die Revolte die Macht der Parteioberen zu gefährden.