Firas Alshater ist dicklich, er hat einen Bart und eine Dreadlock hinten am Kopf hängen. Mit seinen Piercings und dem Hoodie sieht der 26-Jährige aus wie ein typischer Berliner Kreativer, jemand, der sein Leben in Clubs und Cafés verbringt und ab und zu mal ein Video online stellt. Doch Alshater ist erst zweieinhalb Jahre in Deutschland, er kam als Flüchtling aus der syrischen Stadt Aleppo. "Früher habe ich Filme gemacht", erzählt er in heiterem Tonfall in einem Video, animierte Gitterstäbe schnellen auf ihn nieder, "wenn ich nicht gerade im Gefängnis saß, weil ich Filme gemacht habe." Mehrfach wurde Firas Alshater gefoltert, weil er regimekritische Videos im Internet veröffentlichte. Nun dreht er in Berlin weiter, "Zuckerstückchen", nennt Alshater die Clips auf seinem YouTube-Kanal "Zukar", der in den letzten Tagen mehrere Hunderttausend Mal geklickt wurde und mit dem er gerade dabei ist, Deutschlands erster Flüchtlingsstar zu werden.

Von der Gala bis zur Tagesschau stürzen sich die Medien auf den jungen Mann, der sich vor der Kamera die Frage stellte, die sich im Moment alle stellen: "Wer sind diese Deutschen?" Sind sie zu finster aufmarschierenden, hass-erfüllten Pegidisten mutiert? Oder doch noch die lieben Menschen mit offenen Herzen, die "Refugees Welcome"-Schilder hochhalten?

Mit seinem Humor bedient Firas Alshater die breite Mitte, die keinem der extremen Lager angehört, sondern still und zunehmend sorgenvoll die immer hitzigere Lage im Land beobachtet. In einem Experiment hat Alshater sich auf den Alexanderplatz in Berlin gestellt, die Augen verbunden, die Arme geöffnet. "Ich bin syrischer Flüchtling. Ich vertraue dir. Vertraust du mir? Umarme mich!" steht auf einem Pappschild zu seinen Füßen, dann passiert erst einmal gar nichts. Die deutschen Umarmer mögen nicht kommen, einmal will ihm jemand lieber Geld geben, ein anderer wagt nur ein Selfie mit Alshater. Doch irgendwann geht es los, und die Zuwendung findet kein Ende. "Wenn die Deutschen mit etwas anfangen, dann hören sie überhaupt nicht mehr auf", freut sich Alshater auf seinem Sofa, von dem aus er seine Videos versendet.

Mit seinem wohlmeinenden Humor ist er die Sehnsuchtsfigur der Stunde. Das lang erwartete freundliche Gesicht inmitten der kalten Statistik neuer Einwanderer und der gesichtslosen Täterphantome der Silvesternacht. Jemand, der in fließendem Deutsch und Arabisch zur Geduld mahnt: "Die Integration wird klappen."

Hassen könne man schließlich alles, wenn man sich nur anstrenge, sagt Alshater. Und dann, gutmütig lächelnd: "Man muss aber nicht."