Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt in den kommenden vier Jahren arabische und deutsche Nachwuchswissenschaftler. Damit werden innovative interdisziplinäre Projekte von Exzellenzforschern gefördert, die in 17 Ländern tätig sind, darunter Irak, Ägypten, Katar, Libanon und Syrien.

DIE ZEIT: Frau Lepper, vier Millionen Euro für Forschung an Mumien und Papyri?

Verena Lepper: Dagegen hätte ich nichts. Aber hier geht es längst nicht nur um Ägyptologie. Unter den 50 Mitgliedern der Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (Agya) gibt es nur zwei meines Fachs. Wir sind dezidiert interdisziplinär. Die Akademie wirkt fachübergreifend, und unsere Arbeit soll dabei gerade auch an der Schnittstelle zur Gesellschaft wirken.

ZEIT: Hat das BMBF auch politisch entschieden?

Lepper: Mit den Initiativen verstärken wir den Dialog zwischen den Kulturen. Das ist eine große Chance. Die Agya-Mitglieder sind Botschafter für Wissenschaft und Kultur. Aber weil die Akademie auch in den Regionen selbst Kontakte ermöglicht, haben plötzlich arabische Forscher miteinander zu tun, die sich sonst wohl nie getroffen hätten.

ZEIT: Da sind viele gefährliche Orte dabei.

Lepper: Wissenschaft muss sich gerade dort austauschen, wo es wegen der politischen Umstände schwierig ist. Wir versuchen gezielt, Wissenschaftler, die in Krisen- und Kriegsgebieten forschen, in ein Exzellenznetzwerk einzubinden. Sie können Projekte starten, und ihre Stimme wird gehört.

ZEIT: Darf man denn überhaupt den Nachwuchs in den Irak und nach Syrien schicken?

Lepper: Natürlich lässt die derzeitige Sicherheitslage nicht zu, dass wir ausgerechnet dort Konferenzen und Workshops veranstalten. Aber wir hoffen, dass sich dies bald ändert.

ZEIT: Gibt es schon konkrete Projekte?

Lepper: Einige. In einem geht es um den Natur- und Kulturaustausch im Mittelmeerraum. Andere kümmern sich um Mathematikvermittlung in Schulen oder um Esskulturen. Eins vergleicht arabische und deutsche Lehrkonzepte an den Unis.

ZEIT: Die Welt schaut entsetzt auf die Zerstörung von Kulturdenkmälern durch den IS. Liefert die Agya einen Beitrag zu deren Schutz?

Lepper: Dieses Thema ist zentral. Unser Mitglied Ammar Abdulrahman, ein syrischer Professor für Archäologie, der in Deutschland lebt und arbeitet, widmet sich mit anderen der Frage, wie trotz Syrienkrise antike Stätten wie Hisn al-Akrad und Idlib mit ihren Denkmälern gesichert werden können.

ZEIT: Sie sind die Projektleiterin von Agya. Welche Initiativen unterstützen Sie persönlich?

Lepper: Mich treibt die Frage um, wie sich die Flüchtlingskrise auf die deutsche und arabische Hochschulpolitik auswirkt. Und ich untersuche mündliche Erzähltraditionen in der antiken und modernen Welt: Man kann eine Verbindung sehen zwischen den Vorlesepriestern etwa im alten Ägypten und arabischen Stand-up-Comedians. Wir wollen Lesungen veranstalten und denken über eine Ausstellung nach. Sie werden bald von uns hören!

Verena Lepper ist Kuratorin am Ägyptischen Museum und Papyrussammlung Berlin