Gerade mal ein Tag ist vergangen, seit Eddie Mannix im Beichtstuhl kniete, doch schon wieder bittet er den Priester um Absolution, diesmal wegen drei heimlich gerauchter Zigaretten. Bei der Firma Capitol Pictures ist es dagegen sein Beruf, weit schwerere Sünden der Hollywoodstars vor den skandalhungrigen Augen des Publikums zu verbergen. So überzeugt er die Kunstschwimmerin DeeAnna Moran, ihre uneheliche Schwangerschaft in eine rührselige Publicity-Aktion zu verwandeln: Sie soll ihr eigenes, im Verborgenen zur Welt gebrachtes Kind adoptieren. Tatsächlich bewog der MGM-Produzent Eddie Mannix, der die Coen-Brüder zur Hauptfigur ihres neuen Films inspirierte, die Diva Loretta Young in den dreißiger Jahren zu einem ähnlichen Verschleierungsmanöver. Und überhaupt mischen sich Filmgeschichte und -legende, Klatsch und Verschwörungstheorien in Hail, Caesar! A Tale of the Christ (deutscher Kinostart: 18. 2.), dieser lustvollen Tour de Force durch die Filme und Schauspielertypologien der goldenen Hollywood-Ära, als Ben Hur die Kinos stürmte.

In der Rolle des römischen Konsuls Italicus ist Baird Whitlock (George Clooney) der Star dieses Epos . Der letzte Drehtag ist angebrochen, die monumentale Kulisse für die Schlussszene auf Golgatha, wo der Römer im Römerröckchen am Fuße des Kreuzes seine Bekehrung erfahren soll, steht bereit. Mannix (Josh Brolin) erkundigt sich noch in einer wunderbar absurden Szene bei einem Rabbi, einem christlich-orthodoxen, einem katholischen und einem protestantischen Geistlichen nach der Korrektheit der Jesus-Darstellung im Drehbuch. Die Antworten der spitzfindigen Herren differieren: Jesus ist Gottes Sohn, ist nicht Gottes Sohn, ist nicht nicht Gottes Sohn, aber irgendwie geht die Sache schon okay. Auf die witzige Debatte – vom New Yorker als brillanteste Szene des in der US-Presse generell hoch gelobten Films gerühmt – folgt die Nachricht, dass Whitlock spurlos vom Set des dekadenten römischen Banketts verschwunden sei. Mit diesem Mysterium wird der Hauptstrang der Erzählung – die Suche nach dem Helden – zum liebevoll altmodisch erzählten Film noir.

Zugleich führt die diskrete Fahndung nach dem Star des Studios den professionellen Problemlöser Mannix zu allen laufenden Produktionen in den Capitol Studios – und macht den Film damit zu einer Hommage an die großen Hollywood-Genres: Da ist die hypnotische Opulenz eines Wasserspielefilms mit DeeAnna (Scarlett Johansson) als strahlender Meerjungfrau mit grüner Riesenflosse – und mit abgebrühtem New Yorker Akzent auf dem Trockenen; da ist ein Musical, in dem Matrosen auf Tischen tanzen, bis ihre Gene-Kelly-Routine zu einer schwulen Tanznummer ausartet; da sind die qualvollen Aufnahmen mit dem akrobatischen Cowboy und Lassowerfer Hobie Doyle (Alden Ehrenreich), hoffnungslos fehlbesetzt als Beau in einer Salonkomödie unter der Regie des feinsinnigen und entnervten Laurence Laurentz (Ralph Fiennes). Als die Cutterin (Frances McDormand) den Schwarz-Weiß-Streifen auf der Moviola abspielt, glitzert die Szene jedoch in makellosem Glamour. Am Schneidetisch triumphiert die Magie des Mediums über die Realität.

Die zeigt ihr hässliches Gesicht nur selten. Etwa mit Anspielungen auf das homophobe Studiosystem, wenn die rivalisierenden Zwillinge Thessaly und Thora Thacker (Tilda Swinton) – bissige Klatschjournalistinnen in Hedda-Hopper-Hüten – mit rufmörderischen Enthüllungen drohen. Oder mit dem Verweis auf die antikommunistische Hetze unter McCarthy: Es waren nämlich linke Drehbuchautoren, verbittert von der entfremdeten Arbeit in der Traumfabrik, die George Clooneys Filmstar in eine Villa in Malibu entführt und dank eines Dialektikers namens Marcuse erfolgreich indoktriniert haben.

Irgendwann wird George Clooneys Star an der Film-Schädelstätte mit tiefer Überzeugung verkünden, dass die Wahrheit nicht mit Worten, sondern mit Licht geschrieben werde. Die Coen-Brüder wissen es besser: Im Schein des Projektors lassen sich die allerschönsten Lügen erzählen.