* 15. 8. 1955 - † 7. 2. 2016

"Der Mann kennt sich aus" – dieser Satz fiel vor wenigen Wochen auf dem Trainingsgelände von Real Madrid, während eines Interviews mit dem Fußballspieler Toni Kroos. Roger Willemsen und ich hatten uns, es mag vor zwei Jahren gewesen sein, wie gelegentlich in der einschlägig bekannten Wirtschaft Schramme 10 in Hamburg-Eppendorf zum Fußballschauen verabredet – und uns ernsthaft gestritten. Ich hielt Kroos für dramatisch überbewertet – Willemsen entgegnete mit der Ernsthaftigkeit des Kenntnisreichen: "Er ist ein Genie, du wirst es noch sehen, er ist ein Genie." – "Er wird ein ewiges Talent bleiben", entgegnete ich. Wenige Monate später – Kroos hatte für Deutschland eine überragende WM gespielt, war folgerichtig zu Real Madrid gewechselt und hatte sich dort zum strahlenden Regisseur entwickelt – war klar: Willemsen hatte recht, wieder einmal. Und ich musste nun, so war es gewissermaßen als Buße zwischen uns verabredet, Toni Kroos interviewen. In Madrid (die Nachricht von Willemsens Krankheit hatte sich bis dorthin verbreitet) berichtete ich Kroos von unserer Kontroverse. "Der Mann kennt sich aus", war die knappe Antwort des Weltstars. Er ahnte vermutlich gar nicht, wie recht er hatte. Erst vor Kurzem schickte Kroos dann ein signiertes Real-Trikot mit den besten Genesungswünschen. Ich habe es sofort weitergeleitet. Als es eingetroffen war, schrieb Willemsen eine Mail, die letzte. Sie endete mit den Worten: "Ich tue mein Möglichstes, unserem Wiedersehen und vielen 'Schrammen'-Besuchen entgegenzugesunden." Jetzt hat der Himmel einen Fußballexperten mehr – und ein Genie.