Rassistisches Gegröle von der Stadiontribüne ist man in Italien gewöhnt. Es folgen Spielunterbrechungen und anschließende, saftige Strafen für den Club, weil der Anhang mal wieder verhaltensauffällig geworden ist. Es geschieht auf Sardinien, dort beleidigten die Fans von Cagliari den Kameruner Samuel Eto’o von Inter Mailand. Oder auf dem Platz des Drittligisten Pro Patria in Busto Arsizio, dort donnerte der Deutschghanaer Kevin Boateng vom AC Mailand den Ball in die Tribüne, weil er das gegen ihn gerichtete Affengeheul nicht länger ertragen wollte. Pro Patria heißt übrigens "fürs Vaterland", und unter den Kurvenaffen befand sich seinerzeit auch ein Lokalpolitiker der rechtspopulistischen und extrem ausländerfeindlichen Lega Nord. Diese Partei weiß mit dem Vaterland so wenig anzufangen, dass sie statt der italienischen Squadra Azzurra lieber die Fußball-"Nationalmannschaft" ihres "Landes" Padanien anfeuert.

Für Padanien spielte zeitweise auch der Bruder von Mario Balotelli, den die Lega mit dem Argument, es gebe keine schwarzen Italiener, am liebsten endgültig aus der italienischen Auswahl hetzen würde. Rassisten pflegen eben sehr fein zu unterscheiden zwischen eigenen und gegnerischen Spielern. Sie beleidigen nicht jeden mit Affengeheul, das muss als Beweis dafür reichen, im Grunde keine Rassisten zu sein. So halten es auch die in Europa seit Langem einschlägig berüchtigten Ultras von Lazio Rom: Vergangene Woche überzogen die Krawallbrüder des Vereins von Miroslav Klose beim Ligamatch Lazio – SSC Neapel den gegnerischen Spieler Kalidou Koulibaly aus dem Senegal mit dem üblichen Gegröle. Der Schiedsrichter unterbrach darauf für vier Minuten. Danach hatte sich das werte Publikum beruhigt. Lazio verlor 0 : 2 und muss zur Strafe zwei Spiele vor einer leeren Fankurve bestreiten. Dabei wird die Kurve aus Protest gegen Clubführung und Polizei sowieso konsequent "bestreikt". Was bedeutet, dass die Dauerkartenbesitzer zu Hause bleiben. Gegen Neapel waren nur 20.000 von 70.000 Plätzen besetzt, beim Pokalspiel gegen Udine gar nur 1.900.

Es sieht so aus, als könne der italienische Fußball gegen Rassisten nicht viel ausrichten. Aber will er das überhaupt? Als Daniele De Rossi vom AS Rom, Weltmeister von 2006 und bestbezahlter Spieler der Liga, kürzlich den Kroaten Mario Mandžukić von Juventus Turin als "dreckigen Zigeuner" beleidigte, sagte De Rossis Trainer Luciano Spalletti: "Das nächste Mal soll Daniele sich die Hand vor den Mund halten, damit er vor den Fernsehkameras geschützt ist. Mandžukić hat ihn die ganze Zeit provoziert."

Ein klärendes Wort vom Verband könnte vielleicht Wunder wirken. Leider wurde der Vorsitzende des Verbandes, Carlo Tavecchio, zuletzt mit der Äußerung international bekannt, nach Italien kämen "Opti Poba, die bis dato Bananen aßen und plötzlich einen Stammplatz bei Lazio Rom bekommen." Opti Poba ist ein Fantasiename für afrikanische Spieler, den die Uefa als rassistisch enttarnte.

Tavecchio bekam sechs Monate Sperre. Und ist bis heute im Amt.