Menschen in Schutzanzügen, die mit Insektizidspritzen weiße Wolken in Hauseingängen sprühen. Soldaten, die alte Plastikbehälter umdrehen und Pfützen trockenlegen: Brasilien versucht derzeit, die Gefahr durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti zu bannen. Trotz dieser Anstrengungen steigen die Infektionsraten aber weiter. Die Weltgesundheitsorganisation erwägt daher Alternativen.

Ein Kandidat ist der Einsatz von genveränderten Mücken gegen ansteckende Artgenossen. Die dafür nötige Sterile-Insekten-Technik (SIT) wäre einsatzreif. Eine britische Biotech-Firma namens Oxitec hat dafür sterile Gelbfiebermücken gezüchtet. Sie tragen die Ziffern OX513A als Namen und ein Todesurteil im Erbgut: Ihre Nachkommen sind nicht überlebensfähig. Denn OX513A produzieren ein Protein, das die Herstellung anderer überlebenswichtiger Proteine verhindert – sodass die Tiere im Larvenstadium sterben. Nur im Labor lässt sich dieses Schicksal abwenden, indem die Larven in eine spezielle Substanz getränkt aufwachsen, welche das todbringende Protein hemmt. Die Männchen werden aussortiert und dann freigelassen, um sich mit wilden Weibchen zu paaren – deren Nachkommen dann verenden.

2009 gab es erste Freilandversuche auf den Cayman-Inseln, 2011 dann auch im Norden Brasiliens. In Studien konnte Oxitec zeigen, dass die genveränderten Mücken den Bestand wilder Populationen um rund vier Fünftel dezimieren können. Setzt man keine weiteren Mücken frei, erholt sich die alte Population allerdings auch wieder. Der Hersteller bezeichnet die genetisch veränderten Mücken daher auch nur als Ergänzung zu herkömmlichen Methoden (Aufklärung der Bevölkerung, Insektizideinsatz, Brutstättenbeseitigung).

Allerdings gibt es Bedenken. So findet der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, die Freisetzung von genveränderten Mücken müsse "um jeden Preis" verhindert werden. Es gebe keine ausreichenden Beweise, dass der Rückgang der Insekten auch zu einem Rückgang der Infektionen führe, sagt er. Wenn die Gelbfiebermücke als Überträger wegfalle, könnte sich das Virus durch den evolutionären Druck verändern und sich auf andere Arten ausbreiten. Schmidt-Chanasit warnt: "Der Einsatz der Mücken wurde nie über Jahrzehnte hinweg getestet. Die genveränderten Insekten wären meine letzte Wahl als Virusbekämpfung."

Der Göttinger Entwicklungsbiologe Ernst Wimmer, der selbst an genetisch veränderten Insekten forscht und für ein früheres Projekt mit Oxitec kooperierte, sieht das jedoch etwas anders: "Wenn der Zika-Ausbruch weiterhin nicht gestoppt werden kann, dann sollte man solche Methoden nicht zurückhalten. Auch wenn das, was man zur Hand hat, noch nicht ganz perfekt ist."

Die Nationale Kommission für Biosicherheit in Brasilien hat die Oxitec-Mücken bereits als ungefährlich für Mensch und Umwelt eingestuft. Ginge es nach Oxitec-Chef Hadyn Parry, könnten die Mücken innerhalb eines Jahres in ganz Brasilien eingesetzt werden. Eine erste Mücken-Produktionsstätte steht bereits, eine zweite ist in Planung. "Das Interesse an unseren Mücken ist riesig. Wir haben Anfragen aus ganz Brasilien – das Land sucht verzweifelt nach Lösungen gegen die Stechmücken", sagt Parry.

Doch bis auf einen kleinen Feldversuch in der Gemeinde Piracicaba hält Oxitec die Mücken zurück. Warum? Wann wäre ein besserer Zeitpunkt für die Premiere ihrer Technik? Das Unternehmen sagt, es warte noch darauf, dass die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa die Insekten in das Handelsregister aufnehme. Vorher könne es die Mücken nämlich nicht vermarkten, also kein Geld mit ihnen verdienen. Doch in der Behörde lägen die Unterlagen schon seit Monaten – ohne dass der Eintrag bislang erteilt worden sei. Für Nachfragen der ZEIT war dort niemand erreichbar.