A

Autotest, der: legendäre Kolumne im ZEITmagazin mit schwer berechenbarer Schadstoff-Emission. Der A. zeichnete sich dadurch aus, dass der Autotester weder Ahnung von Autos noch von deren Test haben musste, um über beides zu schreiben. Es galt die Maxime: Je unbeschriebener die Kardanwelle, desto besser der Text. Nach 14 Jahren musste der A. im Herbst 2015 seiner großen Schwester, der Auto-Seite der ZEIT, weichen.

Anglo-German Club, der: vornehmes Etablissement an der Hamburger Außenalster. Bei feinstem Whisky pflegten ZEIT- Redakteure hier jahrzehntelang nach Feierabend ihre politischen Debatten fortzusetzen. Der Liebe zu britischen Umgangsformen entspringt auch die ZEIT-typische Anrede unter Kollegen: Vorname und "Sie".

B

Bucerius, Gerd: Gründergott, der die einst defizitäre ZEIT mit den Gewinnen des "sterns" so lange fütterte, bis die Bundesrepublik Deutschland ihm das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband verlieh. B. gelang das Kunststück, als CDU-Mitglied eine liberale Wochenzeitung unter Führung des Adelsstandes (Marion Gräfin Dönhoff) zu erschaffen, deren Redaktion sich gelegentlich als SPD-Ortsverein Speersort verstand. Sein Befremden darüber teilte B. der Chefredaktion in ausführlichen Briefen mit.

C

Cordhose, die: Beinkleid, das sich bei Radiologen und ZEIT-Redakteuren größter Beliebtheit erfreuen soll. Eine Kollegin, die einst vom "Spiegel" zur ZEIT wechselte, wurde von den Hinterbliebenen gefragt, ob sie ernsthaft den Rest ihres Lebens unter Cordhosenträgern verbringen wolle, die permanent "Paradigmenwechsel" sagen und schreiben. Sowohl die C. als auch der Zwang zum Paradigmenwechsel gelten redaktionsintern als überwunden. Dass es sich dabei um Selbstbetrug handelt, beweist jede Woche die Große Konferenz.

Dieser Artikel stammt aus der Festausgabe zum 70. Geburtstag der ZEIT Nr. 8 vom 15.2.2016.

D

Diskurs, der: neben dem Paradigmenwechsel und der Tangente ein zentraler Begriff im ZEIT-Universum. Der D. wird in Texten von anderen oft eingefordert, in Konferenzen aber lieber selbst geführt. Das Problem: Nach intensiver Erörterung eines Themas sind (fast) alle zwar schlauer als zuvor, wissen aber immer noch nicht, was in die nächste Ausgabe soll. Das ist dann Gegenstand eines Folge-D.es.

E

Esser, Rainer: Geschäftsführer des Zeitverlags mit Entertainer-Gen. Seine Reden bei Weihnachtsfeiern haben Kultstatus, weil sie ansatzlos vom Jahresrückblick zu Monty Python kippen, sodass die Redaktion nie genau weiß, wo "Der Kaufmann von Hamburg" endet und "Der Ritter der Kokosnuss" beginnt. Im Grunde versteht sich die ZEIT ohnehin als Rainer Essers Flying Circus.

F

Freitagskonferenz, die: einst berühmt-berüchtigte Sitzung des Politikressorts Schlag 16 Uhr. Jahrzehntelang saßen im kleinen Kreis um den Tisch die Herausgeber, amtierende und gewesene Chefredakteure, amtierende und gewesene Politikchefs, Chefreporter, Chefkorrespondenten, Chefs, Chefs, Chefs ... Dahinter, in der zweiten Reihe verharrend: das junge, cordhosenlose Fußvolk. Für den inneren Kreis war die F. eine Kabinettssitzung, für den äußeren Kino. Wo sonst konnte man hautnah Ex-Kanzler, Ex-Staatssekretäre und Hochadel bis zu drei Stunden lang miteinander über die Weltläufe räsonieren sehen. Danach gingen die Älteren ihrer Wege – und die Jüngeren machten Zeitung.