Im Jahr 1998 kam ich erstmals in die Hamburger Redaktion. Damals waren Farbe und Design dort Fremdwörter. In ihrer gewohnten inhaltlichen Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit stützte sich die ZEIT ganz auf Schwarz-Weiß-Abbildungen. Ihre Seiten waren textlastig.

Als sich das änderte, war das nicht nur für die ZEIT von Bedeutung, sondern für die gesamte deutsche Zeitungslandschaft. Verleger und Redakteure erkannten, dass man die Symphonie aus Text, Bild und Layout, die jede Zeitung darstellt, zum Klingen bringen kann. Sie registrierten die Veränderungen und liehen sich Ideen. Die ZEIT entwickelte sich zu einer der bestgestalteten Zeitungen überhaupt und wurde von Redakteuren und Grafikern auf der ganzen Welt aufmerksam betrachtet und bewundert.

Die Veränderung des Blattes war eine Teamanstrengung. Fast 18 Monate haben wir daran gearbeitet, die Tugenden der ZEIT zu bewahren, ihr Erscheinungsbild aber zu verbessern. Die ZEIT von heute steht treu zu den Werten, die sie groß gemacht haben. Sie ist immer noch textdominiert und bringt Inhalte, die so wesentlich sind, dass man sie lesen und auf sich wirken lassen muss.

Sie zeigt aber auch, was moderne Zeitungen auszeichnet: Nicht alle Texte sind lang, nicht alles ist schwarz-weiß, Farbe wird mit Bedacht und elegant eingesetzt. Permanent wird mit neuen Formaten experimentiert, sei es, dass Geschichten stärker visuell erzählt werden, seien es die Infografiken – all das bereichert die Inhalte und erleichtert es, Informationen zu vermitteln.

Die ZEIT ist im digitalen Zeitalter angekommen, aber nicht auf Kosten der Printausgabe. Ihre Redakteurinnen und Redakteure versuchen nicht, mit den elektronischen Medien mitzuhalten. Stattdessen wurde die Rolle der gedruckten Zeitung neu definiert. Sie erlaubt es, sich zurückzulehnen und offline zu gehen. Diese Macht des Gedruckten zelebriert die ZEIT mit jeder Ausgabe.

Die ZEIT stellt einen Leitfaden für die Zeitung der Zukunft dar – gerade weil ihr Erscheinungsbild handwerklich sorgfältig auf der soliden Grundlage ihrer reichen Vergangenheit konzipiert wurde. Sie wird uns bestimmt weiterhin Woche für Woche aufs Neue überraschen und uns zu besser informierten Bürgern machen.

Aus dem Englischen übersetzt von Michael Adrian

Mario García ist Gründer und Geschäftsführer von García Media. Er lehrt an der Journalistenschule der Universität Columbia