"Sie wollte schreiben, singen und andere künstlerische Dinge tun, aber sie durfte nicht. Als sie von zu Hause wegging, ließ ihre Kreativität sie förmlich explodieren", erinnerte sich ihre Enkelin. Aus ihrer wohlhabenden Gelehrtenfamilie floh sie in eine Weltstadt, heiratete dort und zog weiter in eine Metropole, in der sich Protagonisten revolutionärer Kunstrichtungen versammelten. Sie schloss Freundschaft mit ihnen, aber noch schlummerte ihre Kreativität. Mittellos traf sie in der Hauptstadt der Mode ein.

Als Gast einer Schau fiel sie durch einen originellen Pullover auf, und das selbst gestrickte Stück brachte ihr Glück: Filmdiven bestellten bei ihr, im Nu war sie "in". Geschickt verband sie in ihren verwegenen Kreationen zeitgenössische Kunst und Mode, ließ berühmte Künstler Stoffmuster entwerfen, schuf Hüte aus Schuhen und trug ein Kotelett als Kopfbedeckung. Als Erste entwickelte sie aufeinander abgestimmte Accessoires von Schals über Handschuhe bis zum Schmuck. Sie führte den Reißverschluss in die Mode ein und kreierte einen auffälligen Farbton.

Doch bei aller Extravaganz blieb sie immer auf dem Boden des Geschäfts. Mit neun florierenden Boutiquen wurde sie zur ernsthaften Konkurrentin der beherrschenden Modeschöpferin. Vor dem Krieg floh sie ins Ausland, als sie zurückkehrte, war ihr Stil nicht mehr gefragt. Jetzt herrschte der Minimalismus. Bald musste sie ihr Atelier schließen, ihre Wohnung blieb jedoch ein Treffpunkt der Modewelt. Ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod wurde ihr Label wiederbelebt. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 8:

Hermann Karl Hesse, geboren 1877 in Calw, starb 1962 im Schweizer Tessin. Den Schriftsteller, Lyriker und Maler machten Gedichte (Stufen) und Romane (Steppenwolf) berühmt. Anfang 1946 ahnte er noch nicht, dass er den Nobelpreis für Literatur bekommen würde