New York Gowanus

Von Felix Zeltner

"Er schmeckt nach Schlamm, Fäkalien, Gras und Benzin", sagte Christopher Swain, als er letzten April aus dem Gowanus-Kanal kletterte. Der Umweltaktivist war der erste Mensch, der freiwillig durch die giftige Brühe im Süden Brooklyns schwamm. Mit der Aktion forderte er, dass bald jeder dort schwimmen können soll.

Der Kanal, erbaut 1848, schlängelt sich vom Atlantik nach Brooklyn hinein und war einer der wichtigsten Wasserwege New Yorks. Im 20. Jahrhundert geriet er zum Mülleimer der Industrie (Schwermetalle, Schrott) und der Gangs (Waffen, Leichen).

"Das meiste, was wir verkaufen, hat mit Geschichten um den Kanal zu tun", sagt Ute Zimmermann, Chefin des Gowanus Souvenir Shop. Im Sortiment hat sie Parfums, die nach den im Kanal nachgewiesenen Giften Arsen oder Blei heißen, und T-Shirts des fiktiven "Gowanus Swim Teams" – Werke örtlicher Künstler.

Tatsächlich ist Gowanus seit den 1970ern eine Enklave der Kunsthandwerker. In einstigen Fabriken schreinern, töpfern und nähen sie. Doch in letzter Zeit weichen die Werkbänke den Coworking-Spaces. Young professionals kommen ins Viertel, treffen sich auf eine Kugel salziges Karamelleis bei Ample Hills oder auf eine Partie Shuffleboard im Royal Palms. Gourmetmärkte und Fitnessstudios eröffnen nur einen Steinwurf vom Kanal entfernt.

Dessen Giftschlamm soll nun ausgehoben, das Ufer begrünt werden, damit die Gentrifizierung weitergeht. Im Januar ließ ein Blog über das beste Viertel abstimmen. Im Finale: Gowanus, Brooklyn und Flushing, Queens. "Schwierige Entscheidung", schrieb ein Leser: "Soll ich für das Viertel stimmen, dessen Name klingt wie eine Toilettenspülung, oder für das, das bekannt ist für seine Abwässer?" Der Kanal gewann.

Angesagter Drink: Der Shuffleboard Bob aus dem Royal Palms: Bar Hill Gin, Kokoswasser, Limettensaft, Gurkensirup und Bitter. royalpalmsshuffle.com

Place to stay: Vom siebenstöckigen Hotel Le Bleu hat man einen guten Blick über das Viertel bis nach Manhattan. hotellebleu.com

Hipster-Accessoire: Kaffeebecher mit der Aufschrift "Some Asshole Developer" von gowanussouvenir.com