Meine Tochter Henrike hat im Januar Geburtstag, ich im Juli. Wir haben uns das nicht ausgesucht, aber wir haben uns daran gewöhnt. Wenn Henrike Geburtstag feiert, ist es kalt, wenn ich feiere, ist es warm. Ihre Gäste kommen in Winterjacken zur Schatzsuche, und den Schatz müssen wir manchmal im Schnee verstecken. Meine Gäste kommen im T‑Shirt zum Picknick. Wäre es nicht schön, denken wir manchmal, wenn wir mal tauschen könnten? Wenn Henrike im Sommer und ich im Winter Geburtstag hätte? Nur zur Abwechslung. Wir fänden das gut, aber es wird nicht passieren. Und das liegt am 29. Februar.

Der 29. Februar ist ein seltsamer Tag, das wissen alle, die an diesem Tag geboren wurden. Es gibt ihn im Kalender nur alle vier Jahre. So ein Jahr heißt dann Schaltjahr, und der 29. Februar heißt Schalttag. Was wird an dem Tag geschaltet? Gar nichts. Der Tag heißt nur so, weil "schalten" früher einmal "schieben" bedeutete. Dem Jahr wird ein Tag reingeschoben, heute würde man vielleicht sagen: untergemogelt. Wer hat sich das bloß ausgedacht?

Julius Cäsar war ein mächtiger Herrscher, der vor gut 2.000 Jahren in Rom lebte. Er führte Kriege rund um das Mittelmeer und schrieb nebenbei Bücher. Im eigenen Land hatte er viele Feinde, weil er alles allein entscheiden wollte. Als er 55 Jahre alt war, wurde er ermordet, aber vorher führte Cäsar das Schaltjahr ein. Es gab damals keine Smartphones, die das Datum anzeigen konnten, aber es gab den Mond. Jeder konnte ihn sehen, solange keine Wolken im Weg waren. Die Menschen wussten, wie viele Tage vergehen, bis aus dem Vollmond das nächste Mal ein Vollmond wird: Das dauert ungefähr 29 Tage, genauer gesagt 29 Tage und einen halben Tag. In dieser Zeit ist der Mond einmal um die Erde gewandert. Man nannte diesen Zeitraum einen Monat (das Wort Monat kommt von Mond).

Bevor Julius Cäsar das Römische Reich regierte, folgten die Menschen einem Mondkalender mit zwölf Monaten. Und damit begannen die Probleme: Zwölf Mond-Monate dauern insgesamt 354 Tage. Aber die Erde braucht gut elf Tage länger, um einmal um die Sonne zu wandern, nämlich 365 Tage und einen Vierteltag. In dieser Zeit wechseln sich Herbst, Winter, Frühling und Sommer ab. Die Jahreszeiten hängen vom Stand der Sonne ab, nicht vom Mond. Weil ein Jahr im Mondkalender aber elf Tage kürzer ist als der Umlauf der Erde um die Sonne, verschieben sich die Mond-Monate durch die Jahreszeiten. Liegt der Januar anfangs im Winter, wandert er von Jahr zu Jahr weiter in den Sommer und dann wieder in den Winter.

Für Henrike und mich wäre das gerecht, jeder hätte mal im Sommer, Herbst, Winter und Frühling Geburtstag, aber für die Bauern zum Beispiel wären die Mondkalender ein Chaos. Erst müssten sie im März ihr Getreide aussäen, ein paar Jahre später plötzlich im Oktober, wer kann sich denn das merken? Auch die religiösen Feste und Feiertage würden wild durch die Jahreszeiten purzeln.

Damals fügten die Könige dem Mondkalender alle paar Jahre einen ganzen Extramonat hinzu, damit der Januar weiterhin ein Wintermonat blieb. Julius Cäsar hatte eine bessere Idee, die er sich von den Astronomen im alten Ägypten abgeguckt hatte. Er kümmerte sich nicht mehr um den Mond, sondern verlängerte die Monate auf abwechselnd 30 und 31 Tage. Der Februar bekam genau so viele Tage, dass das Jahr insgesamt 365 Tage lang wurde. So weit, so gut.

Aber die Erde umrundet die Sonne ja nicht in genau 365 Tagen, sondern in 365 Tagen und einem Vierteltag. Nach vier Jahren würde der Kalender schon wieder um einen Tag verschoben sein. Nach acht Jahren um zwei Tage. Nicht so viel wie ein Mondkalender, aber genug, um im Laufe der Zeit wieder mit den Jahreszeiten aus dem Takt zu geraten. Und deshalb bestimmte Cäsar, dass der Februar alle vier Jahre einen Extratag bekommen muss. Den Schalttag.

Wenn der Schalttag nicht wäre, würde Henrike eines Tages im Sommer Geburtstag feiern und ich im Winter. Allerdings müssten wir 700 Jahre alt werden, um das zu erleben.