Wir Sachsen und die Wut – Seite 1

Die Weggezogene

Ich glaube, wir haben zu lange weggesehen, ich glaube, wir haben zu lange gedacht, so schlimm werde es schon nicht kommen. Ich glaube, wir haben zu lange gehofft, alles werde doch noch ein gutes Ende nehmen. Und die Leute kommen zur Vernunft. Es sind ja schließlich unsere Leute.

Ich weiß, das hört sich beschissen an, zumal wenn ich das sage, die ich seit vielen Jahren in Berlin lebe. Aber ich zähle mich zu diesem sächsischen Wir dazu, eigentlich habe ich das immer getan. Ich bin aus Sachsen weggegangen, wie so viele aus meiner Generation, aber auf eine Art bin ich doch dort geblieben – anders als andere vielleicht, die aus Schwaben oder Hessen oder Hamburg weggegangen sind. Den Osten verließ man anders, mit dem Herzen blieb man da. Man ging mit einem Gefühl von Schuld, mit diesem, ja auch, beschissenen Gefühl, es wäre besser gewesen, wir wären alle geblieben.

Nun habe ich wie Millionen andere die verwackelten Handybilder aus Clausnitz gesehen, und diese gut verdrängte Schuld war plötzlich wieder da und mit Händen zu greifen. Die Stimmen aus dem Off kamen mir so bekannt vor, ich kannte diese Tonlage. Eigentlich mag ich diese sächsische Melodie, die viele lächerlich finden. Und doch: Diese Bilder gehören zum Schlimmsten, was ich je aus meiner Heimat gesehen habe. Ich habe mich so geschämt. Ich glaube, ich habe mich noch nie im Leben so für meine eigenen Leute geschämt.

Ja, ich versuche auch weiterhin, "meine Leute" zu sagen. Es wird Menschen geben, die halten das wahrscheinlich für eine der schlimmsten Spätschäden des Sozialismus: sich für andere verantwortlich zu fühlen, nicht richtig Ich sagen zu können. Ich versuche weiterhin, "meine Leute" zu sagen, weil ich mir den Verrat nicht verzeihen würde. Weil ich glaube, dass der Verrat alles noch schlimmer macht.

Ich glaube, wir haben diesen Riss, der durch die ostdeutsche Gesellschaft ging, zu lange hingenommen. Wir haben ihn gespürt, wir haben ihn gesehen, viele von uns haben ihn beschrieben. Und hinterher sind wir doch unserer Wege gegangen. Nun können wir sehen, wohin das geführt hat.

Deshalb glaube ich mehr als je zuvor, wir müssen auch uns verändern, nicht nur die anderen. Wir müssen um dieses Sachsen kämpfen, stärker als zuvor. Wir müssen aus diesem Land wieder ein Land machen, auf das die anderen nicht mit dem Finger zeigen. Denn im Moment haben sie viele Gründe dafür. Beweisen wir ihnen, dass sie sich irren. Um unseretwillen. Und für die Flüchtlinge, die unser Land genauso brauchen wie wir.

Die diese Gegend gut kennt

Ich kenne Clausnitz. Es ist das Dorf, durch das ich Hunderte Male gefahren bin, um meine Großeltern im Nachbarort zu besuchen. Im Winter sind wir als Familie mit dem Auto im dichten Schneetreiben in Clausnitz stecken geblieben. Clausnitz ist tiefstes Erzgebirge, und dieses Erzgebirge ist meine Heimat.

Jetzt also, dachte ich, hat es Clausnitz erwischt. Aber das stimmt gar nicht. Denn das klingt so, als könne die Region nichts dafür. Die Unverschämten geben jetzt den Ton an, und wir können etwas dafür, weil wir im Erzgebirge alle so sind, wie wir nun mal sind: viel zu maulfaul. Ich weiß nicht, wie selten es vorkommt, dass da einer zum anderen sagt: Ich hab mich über dich gefreut oder: über dich geärgert. Und wenn einer in der Kneipe sagt: "Es reicht jetzt mit den Flüchtlingen", dann wird wohl keiner antworten: Wie kommst du darauf? Nein, dann heißt es: "Hör mir auf mit Politik!"

Ein Dorf lebt davon, dass man sich nahekommt, aber keinem zu nahe tritt. Man braucht einander, man kauft füreinander ein, man fährt die Nachbarskinder zum Fußballtraining und erwartet eines Tages das Gleiche vom anderen. Es gibt gute Gründe, Streit aus dem Weg zu gehen. Aber diese Harmoniesucht hat uns in eine furchtbare Lage gebracht.

Der Mob vor der Asylunterkunft, das sei nur eine Minderheit gewesen, heißt es. Ich will das gern glauben. Nur wäre es ja noch schöner, wenn der Mob sogar die Mehrheit verträte. Es reicht, dass er überhaupt existiert, dass er sich stark fühlt.

Was machen wir mit denen, die da grölend den Bus umringten? Wenn wir sie ernst nehmen – und es bleibt ja nichts anderes übrig –, dann können wir ihnen das hier sagen: Ihr habt etwas kaputt gemacht, und das nehmen wir euch übel. Wer demnächst wieder auf der Couch sitzt und zusieht, wie sich draußen eine Demo vorm Asylbewerberheim formiert, wer den Fernseher dann lauter macht und nichts tut – der macht sich mitschuldig.

Und wer nun die üblichen Ossi-Entschuldigungen herunterbetet, der macht sich lächerlich. Die DDR-Erfahrungen! Die üble Nachwendezeit! Die Arbeitslosigkeit! Nee. Ab 30 ist jeder selbst für seinen Charakter verantwortlich, hat Helmut Schmidt einmal gesagt. Und im Jahr 27 nach dem Mauerfall klingt jede "Aber der Osten hatte es schwer"-Begründung wehleidig und unerwachsen. Hören wir auf, uns rausreden zu wollen!

Ich wohne nun in Dresden, dessen Image schon länger ruiniert ist als das von Clausnitz. Es ist anstrengend, hier zu leben. Kürzlich wollte ein Obstverkäufer unbedingt mit mir über die "unerträgliche" Flüchtlingssituation reden. Eine ältere Frau an der Straßenbahnhaltestelle sprach mich an, weil sie den Gedanken loswerden musste, Angela Merkel mache Fehler "wie damals der Hitler". So etwas passiert hier häufiger. Ich habe mir vorgenommen, mit den Leuten zu diskutieren.

Der Zugereiste, der geht und der Zugereiste, der bleibt

Der Zugereiste, der geht

Seit 2007 beschäftige ich mich gedanklich mit Dresden, seit 2009 lebe und arbeite ich hier, und im Sommer dieses Jahres werde ich Dresden verlassen. Mit welchem Bild von Sachsen ich denn hier wegginge, hat mich nun diese Zeitung gefragt, und ich kann diese Frage leider so nicht beantworten.

Weil es banalerweise "Sachsen" als widerspruchsfreie Entität genauso wenig gibt wie "Deutschland" oder "das Volk". Und so ergaben die meisten Versuche Zerrbilder, als man in den letzten Jahren (und im Moment wieder ganz stark) probierte, das sächsische Wesen analytisch festzunageln. Auch mir gelingt das natürlich nicht. Aber vielleicht darf ich kurz und ohne Wertung drei Dinge benennen, die mir in Sachsen aufgefallen sind.

Erstens: wie sehr die Erfahrung der Friedlichen Revolution (vor sieben Jahren sagte ich noch "Wende", aber man lernt dazu) und der Zeit des folgenden, brachialen Wechsels das politische und gesellschaftliche Denken vieler Menschen in Sachsen noch immer prägt. Das mag man als kacknaive Erkenntnis eines blauäugigen Westdeutschen verlachen, aber die Tiefe und Dimension des biografischen Bruchs ist mir erst hier voll zu Bewusstsein gekommen. Und ich habe umgekehrt die Erfahrung gemacht, dass es den meisten Westdeutschen bis heute an dieser Kenntnis mangelt. Das erschwert die Diskussion allerdings ganz erheblich.

Zweitens: wie unterschiedlich die Auffassungen politischer Teilhabe sind. Demokratie gilt in Sachsen vielen, so scheint es manchmal, als ein System, das dem Bürger zu dienen hat. Und man selbst verharrt in so einer Art politischer Duldungsstarre, nützt ja nüscht. Ich hatte angenommen, dass eine eigenhändig errungene Demokratie einen geradezu befeuern müsse, sie nun auszugestalten. Schon wieder kacknaiv.

Drittens. Auf Sachsen blickt der Rest der Republik in Zeiten politischer Radikalisierung mit unfassbarer Hysterie. Sachsen tut natürlich das Übrige dafür, von Hoyerswerda bis Clausnitz. Dennoch ist es auffällig, wie schnell der Reflex ist, Sachsen am Nasenring durch die Manege zu führen, während gleichzeitig auch in der übrigen Republik Asylbewerberheime brennen, in Köln die Oberbürgermeisterin von einem Neonazi fast getötet wird, die AfD Höchstwerte erzielt und die sogenannte bürgerliche Mitte schon längst nur noch ein romantischer Begriff ist.

Man verstehe mich nicht falsch. Es geht mir nicht im Entferntesten um eine Relativierung. Radikalismus, Rassismus, Menschenverachtung sind nicht relativierbar. Ich möchte nur anmerken, dass der "Sonderfall Sachsen" auch ein Mittel sein kann, von einem größeren, umfassenderen, republikweiten Problem abzulenken. Sachsen, so scheint es mir manchmal, ist der Splitter im Auge, der bequemerweise vom gesamtdeutschen Balken ablenkt.

Im Sommer ziehen wir nach Düsseldorf. Meine Tochter wird dort eingeschult werden. Ihre Mutter kommt aus Kiel, ihr Vater aus Köln. Sie ist gebürtige Sächsin. Neulich habe ich mich gefragt, ob sie am Rhein der Ossi sein wird. Das wäre ja dann aber mal so richtig interessant.

Der Zugereiste, der bleibt

Der böse Anschein war immer schon da. "Viel Spaß im rechtsradikalen Teil Deutschlands!", sagte mir ein Freund in München zum Abschied, als ich kurz nach der Jahrtausendwende nach Sachsen umzog, Der Freund – wie ich aus dem Westen, Akademiker, politisch interessiert – hatte zuvor etwas über die "Skinheads Sächsische Schweiz" gelesen. Als er mir den bösen Satz nachrief, ging ich schon aus der Tür. Ich war so perplex, dass ich gar nicht antwortete.

Zwei anfängliche Irrtümer begleiten mein Leben als Neu-Sachse. Erstens: Ich hatte damals bedauert, nicht zehn Jahre früher in den Osten gegangen zu sein: als dieser, wie es oft hieß, noch "so schön wild" war. Ich dachte, dieser Teil des neuen Deutschlands sei schon stabil und angepasst. Wie naiv!

Zweitens: Ich hatte nicht erwartet, dass ich mich ständig zu dem Klischee vom braunen Sachsen würde verhalten müssen. Es ist, als hätte ich seither ständig und nicht ganz freiwillig eine Waage in meinem Rucksack – stets einsatzbereit, wenn Freunde aus Hamburg, Basel oder Bad Kreuznach den Sachsen wieder mal Schlimmes zur Last legen, ob NPD-Wahlergebnisse, Neonazi-Vorfälle oder Pegida. Das alles purzelt dann in die rechte Waagschale, und ich versuche, die andere Schale zu bestücken: etwa mit Beispielen von empathischen, engagierten Sachsen, die ich kennengelernt habe. Das Irre ist: Mit vielen Ost-Freunden verhält es sich genau andersherum – da ist es an mir, deren Wut über die Wut der Westdeutschen auszubalancieren. Das alles passiert nicht ganz selbstlos: Denn es stabilisiert mich und meine überwiegend positive Haltung zu diesem Land, das längst meine Heimat ist. Aber wann wird dauerndes Abwägen zum Selbstbetrug?

Nicht erst seit Clausnitz werde ich öfter gefragt, ob ich es "in diesem Sachsen" noch gut aushalte. Ja, will ich sagen – und merke, dass dies immer schwerer fällt. Ich habe begriffen, dass ich mich in einem Teil Deutschlands befinde, der noch wilder ist, als ich dachte. Ich stelle mir jetzt eine große Waage vor, die im Land steht. Es geht darum, dass die Seite der Hetzer und Hasser kein Übergewicht bekommt. Wie könnte ich da gehen?

Der dageblieben ist und der Herzenssachse

Der dageblieben ist

Schon oft wollten wir fort aus diesem Kummer-sachsen. Vor 1989 sowieso. Und später auch immer wieder einmal. "In München oder Wien gibt es noch Leute, die Gedichte lesen und einem sogar ein Buch abkaufen!", hat mich unsere Küchenlampe schon manchmal sagen hören. Und meine Frau erst recht. Nur im Herbst 1989 wollten wir auf keinen Fall fort. "Wir bleiben hier!", hieß das damals. Und der Ruf "Wir sind das Volk" hatte für uns zu der Zeit durchaus noch etwas Intelligentes. Bis weit in die neunziger Jahre hinein hielt ich an der Utopie vom besseren Ostler fest. Bei aller Westanpassung würde er sich schon wieder melden. Und sich nicht immer alles gefallen lassen.

Nun, wir schreiben 2016. Zufällig brennt nebenan gerade die Welt. Wie aber unseren Provinzsachsen erklären, dass wir uns, wenn nebenan die Welt brennt, nicht einfach heraushalten können? Schon weil nur auf diese Art noch Schlimmeres zu verhindern ist? Aber in Dresden haben sie ja schon zu einer Zeit gegen Ausländer demonstriert, da wir hier noch fast keine hatten (wir haben noch immer nicht viele). Das Volk, heißt es bei Tucholsky sinngemäß, spürt manches, versteht aber wenig. Und so denkt es wohl tatsächlich, sein bisschen (Ost-)Wohlstand retten zu können, wenn vor dem eigenen Koniferenvorgarten ein europaweiter Stacheldrahtzaun steht.

Als ich Anfang 2015 einmal gucken ging, wie die neuen Angstbürgerdemonstrationen in Sachsens Residenz denn so vonstatten gehen, hatte ich eine Mütze aufgesetzt, um nicht gleich als Altlinker entlarvt zu werden. Erst war ich doch recht verblüfft, dass mir die angekündigten Nazis so richtig gar nicht begegnen wollten. Ein Jahr später dann aber musste ich mir hier unter dem Beifall der Anwesenden von einer Frau Festerling anhören, dass ich – dass wir –, dass die Linken im Land die eigentlichen Faschisten seien. Beunruhigend nicht nur der – unter weich gespülten Reden – freilich bald doch spürbare Hass, nicht nur die beträchtlichen Menschenmassen, sondern die Feststellung, dass die meisten hier ohne Weiteres meine Dorfnachbarn hätten sein können, kurz: dass es meine Leute waren. Da hatte ich jahrzehntelang auf die Aufmüpfigkeit des Ostens gewartet. Und nun waren sie aufmüpfig geworden. Allerdings auf der anderen Seite. Ausgerechnet in der Ablehnung des Fremden hatten sie das Gemeinschaftsgefühl des Ostens wiedergefunden.

Heute ein Brief aus Klingenthal: "Auf dem Marktplatz (ohne Flüchtlinge) laufen Leute mit grünen (!) Armbinden herum – Bürgerwehr", schreibt ein Freund. Er fühle sich wieder fremd und suche Freunde: "Wir kümmern uns hier um eine syrische Familie."

Der Herzenssachse

Ich habe das Video noch nicht gesehen, über das alle, alle längst sprechen. Ich wollte die Szenen, die so ausführlich beschrieben worden sind, möglichst lange von mir fern halten. Ich wollte den weinenden Jungen im Bus ("Reisegenuss"), den die Standfotos zeigten, nicht auch noch in Bewegung sehen, die grölende Masse, die Polizisten, die an Menschen zerrten. Ich wollte mal wieder etwas schützen, was seit Clausnitz nicht mehr zu schützen ist: mein Bild vom Osten als Abenteuerland, als raueres Deutschland, aber eines, das es nicht verdient hat, abgestempelt zu werden; ignoriert, verachtet, verspottet, vor allem da, wo ich herkomme, im Westen. Wie naiv ist das denn?

Ja, es ist nicht einfach gewesen, schon die letzten Jahre nicht, im Blick auf den Osten weder in Verdammnis noch in Verklärung zu kippen. Verklärung? So viele Geschichten, die den Westen aus dem Osten erreichten, beschwören den Niedergang; deshalb lag als Gegenimpuls die Gefahr der Idealisierung, eines überbordenden Optimismus, immer nahe: In den Strahlen der Spätsommersonne am Leipziger Clara-Zetkin-Park kann einem der Osten für Momente wie ein immerwährendes Straßen-Café vorkommen.

Wer aber die Phase des Biedermeierblicks hinter sich gelassen hatte, war mit einer gleichermaßen empfindsamen wie robusten Wertschätzung der Wirklichkeit (Ost) für vieles gewappnet. Zu jeder halbwegs ehrlichen Wahrnehmung des Ostens gehören schließlich dessen Abgründe, die biografischen in den Familien, die gesellschaftlichen im Alltag, die politischen an den Rändern der Demokratie. Selbst vielen Desastern des Ostens wohnte ein eigentümlicher Neuigkeitswert inne, dem wir Journalisten uns nur schwer entziehen konnten. Vom zuvor unvorstellbaren Szenario des NSU bis zur reaktionären Wiederkehr der Leipziger Montagsdemos 1989 in Gestalt der Pegida-Märsche: Noch die düstersten Erscheinungen des Ostens zogen bei aller Abscheu stets auch die analytische Frage nach dem Warum nach sich.

Warum konnte sich die erste deutsche Terrorzelle nach der RAF ausgerechnet in den Plattenbauten von Jena-Lobeda herausbilden? Warum hatte Pegida seine Proteste mit Schweigemärschen und Weihnachtsliedern begonnen, ehe die Bewegung ins allzu vertraute Grölen abkippte? Selbst im Schrecken hielt der Osten immer noch Botschaften bereit, die es zu entschlüsseln lohnte. In das Entsetzen über die Bilder von Clausnitz, Bautzen, Heidenau aber mischt sich eine bleierne Müdigkeit: Clausnitz, das ist auf fast perverse Weise Wiederholung und Höhepunkt in einem.

20 Flüchtlinge, 15 davon Frauen und Kinder, kauern, grell ausgeleuchtet, in einem Bus in der Nacht, davor die Horden. Wie eine gläserne Kutsche ist das Fahrzeug in den Ort gefahren, doch anders als im Märchen schützt das Gefährt die Insassen nicht, sondern stellt sie aus, gibt sie der Wehrlosigkeit preis. Seit Rostock-Lichtenhagen 1992 war Menschenjagd selten so roh und nackt zu besichtigen. So viel Gemeinheit braucht kein Warum. Damit aber ist der Schrecken selbst seiner letzten Lektion entkleidet – der Erkundung, was uns das Böse lehrt. Allein hinsehen hilft, vielleicht. Ich klicke jetzt das Video an.

Der zur Revolution aufruft

Nützt ja alles nichts, das ganze Gejammer darüber, dass alle jetzt so ungerecht zu den Sachsen seien und dass es ja auch gute Sachsen gebe und so weiter. Das ist nun wirklich egal, das bringt uns überhaupt nichts. Wir Sachsen sind derzeit ein Volk von Fiesen, und da kriegt auch kein Sachse mehr den Kopf aus der Schlinge, da müssen wir nun durch. Mitgehangen, mitgefangen. Wärste mal besser kein Sachse geworden.

Deshalb hilft auch kurzfristig kein Geld für Politiklehrer und kein großes Wort des Ministerpräsidenten mehr, kein Empörungsritual, kein Ruf nach Berlin, jetzt hilft nur, ich schwöre: die Konterrevolution. Pegida wegdemonstrieren mit Standpauken und Trompeten. Massenhaft auf die Straßen gehen, und zwar explizit nicht für irgendwas Buntes und Schönes, das haben wir ja schon probiert, sondern: gegen Pegida, gegen Flüchtlingsfeinde und gegen die Bachmänner dieser Welt.

Mein Vorschlag für ein schönes Motto: Bähgida – wir ekeln uns vor uns selbst.

50.000 Leute in Leipzig, 50.000 Leute in Dresden oder gar 100.000 in einer der beiden Städte!? Damit Lutz Bachmann mal merkt: Ich bin nicht der letzte Schrei, ich bin nur der Letzte, der schreit.

Und dann klappt’s auch wieder mit den Nachbarn.