Die Aluminiumregale an den Wänden reichen bis knapp unter die Decke der hohen Lagerräume. Sie sind voll mit Transistorradios, Fernsehern, Computern und Haushaltsgeräten. Inmitten dieses Sammelsuriums aus kaputten Elektrogeräten jeder Art und fast jeden Alters steht Sepp Eisenriegler. Von draußen strömt kalte Winterluft in seine Firma. Der 63-jährige Unternehmer trägt eine wärmende Baumwollweste unter dem Sakko. Zielsicher greift er in ein Fach und holt ein 40 Jahre altes Radio hervor. "Wenn es wieder läuft, zahlen die Leute 300 Euro dafür", sagt er. Eisenriegler bringt auf Vordermann, was anderswo in den Müll wandert. Geräte zu reparieren ist für ihn ein rebellischer, ein antikapitalistischer Akt.

Wenn die 22 Mitarbeiter von Eisenriegler in den 1.600 Quadratmeter großen, eng verschachtelten Räumlichkeiten im Westen Wiens Hand anlegen, reparieren sie nicht bloß alte Geräte. In den Augen des Gründers des Reparatur- und Servicezentrums (R.U.S.Z) schrauben sie an einem besseren Wirtschaftssystem, das auf das Gemeinwohl abzielt und nicht auf die Profitmaximierung Einzelner. Neben seinem Unternehmen tritt Eisenriegler als umtriebiger Lobbyist für Nachhaltigkeit in Brüssel und Wien auf. Er tourt als Aufklärer von Vortrag zu Vortrag und berichtet über Produkte, die bei der Herstellung absichtlich mit Mängeln versehen werden, um schneller kaputtzugehen. Dass die EU-Kommission 2015 den Circular Economy Action Plan gegen diese "geplante Obsoleszenz" verabschiedete, ist auch ein Verdienst Eisenrieglers und des von ihm mitinitiierten Reparaturnetzwerks RREUSE. In 17 EU-Staaten ist der Verbund aktiv und betreibt politische Arbeit. Die zentrale Forderung: Es soll zu einer europaweit verbindlichen Norm werden, dass Produkte möglichst umfassend repariert werden können.

Wegwerfen, neu kaufen. So funktioniert das Wachstumskonzept der Konsumgesellschaft. Was nicht gefällt, landet im Mistcontainer. Weltweit sind das jährlich 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott. Rund zwei Drittel davon sind Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Der ausgebildete Gymnasiallehrer und ehemalige Umweltberater Eisenriegler entschloss sich, Unternehmer vor allem deshalb zu werden, um gegen diesen "Irrweg" anzukämpfen.

Eisenriegler führt tief ins Herzstück des R.U.S.Z. Zwei Mitarbeiter inspizieren gerade kaputte Waschmaschinen. An den Wänden stehen offene Werkzeugschränke, in denen Umwälzpumpen und Motoren lagern. Aufgeräumt sieht anders aus.

"Jede dritte kaputte Waschmaschine könnte man vor der Verschrottung retten", sagt der Autodidakt Eisenriegler. Um zu demonstrieren, was seine Mitarbeiter hier machen, krempelt er die Ärmel hoch und löst mit wenigen Schraubendrehungen die Armaturenabdeckung eines Geräts. Die Platine mit Spulen und Widerständen, die zum Vorschein kommt, beherbergt die Steuerungselektronik. Sie ist kaputt. "Eine Sollbruchstelle", sagt er bestimmend.

Mit einem Lötkolben und einer ruhigen Hand ist der Schaden in wenigen Minuten behoben. "Jeder gute Techniker sieht das normalerweise auf den ersten Blick." Das Problem: In der Praxis wird diese Reparatur nicht durchgeführt. "Weil die Hersteller danach trachten, neue Geräte zu verkaufen, anstatt alte zu reparieren", behauptet der Wiener.

Eisenriegler wirkt jugendlich für sein Alter. Seine ruhige, sonore Stimme verleiht ihm Autorität. Gesprächspartnern blickt er tief in die Augen, um seine Botschaft zur verstärken. Vor 20 Jahren ging sein Geschirrspüler kaputt. Ein Servicetechniker habe ihm erklärt, sein fünf Jahre altes Gerät müsse gegen ein neues getauscht werden. Dabei sei nur der Abflussschlauch verstopft gewesen.

"Klar, die damit verbundene Provision ist ein besseres Geschäft als die Reparatur. Die Techniker werden als verlängerter Arm der Verkaufsabteilung missbraucht. Das ist die Logik der Konsumgesellschaft", sagt Eisenriegler.

Er bezeichnet sich selbst als "Weltverbesserer". Und als er feststellte, dass es in Wien keine unabhängigen Reparaturdienstleistungsbetriebe gab, gründete er selbst einen. Das war 1998. Das R.U.S.Z sollte nachhaltig in jedem Sinne sein. Das Unternehmen startete daher als sozialökonomischer Betrieb und bildete Langzeitarbeitslose zu Mechatronikern aus. Pro Jahr werden 9.000 Reparaturen durchgeführt. Gespendete Geräte werden wieder in Stand gesetzt und verkauft. Daneben repariert man für Kunden. 120 Euro kostet eine Arbeitsstunde, Anfahrt inklusive. Zuletzt habe die Bereitschaft zugenommen, für Reparaturen zu bezahlen. Mit rund einer Million Euro Umsatz macht die Firma seit 2014 Gewinn.