Jüngst träumte mir, ermattet von der Nachrichten Fülle, die von Hellas unwirtlichen Gestaden zu uns fließt, ich sei von den Musen mit einem Gespross frischgrünen Lorbeers beschenkt worden. Warum dies?, wollte ich fragen, da hauchten sie mich an und blickten mir erwartungsvoll in die Augen – und das Werden des Kosmos und das Treiben der Götter wurde mir gewahr:

Vieles muss sich, seit Äonen schon, getan haben. Noch in Unordnung ist die Welt. Nichts scheint auf Dauer gestellt. Unruhe ist spürbar. Auswürfe längst vergangener Eruptionen prägen das Bild. Lenkt Chaos, gleichwohl längst entschwunden, die Geschicke immer noch? Kaum ist mein Blick auf Eines gerichtet, drängt allenthalben Anderes sich schon in den Vordergrund. Schemenhaft ist alles, flüchtig nur wird’s mir erkennbar.

Da seh ich Gaia Mikl-Leitner. Sie müht sich sehr. Mit der bewegten Linken sucht sie, ihren Bruder Eros Landau sich vom Leibe zu halten. Mit der gekrümmten Rechten klammert sie sich, Halt suchend, an ihren Bruder Erbos Pröll. Es tut sich was, überdeutlich seh ich’s. Ist’s möglich? Gerade gebiert sie von Uranos Faymann die Titanen des Grenzzauns, den einäugigen Zyklopen Mitterlehner bringt sie zur Welt und die hundertarmigen Hekatoncheiren national beschränkter Gesinnung.

Verzerrt ist des Uranos Faymann Gesicht, er hasst die Kinder, die doch auch die seinigen sind. Solcher Art hätten sie nicht sollen sein! Er streckt die Arme hoch. Dreht er sich am Ort, von dem er zu entfernen sich nicht vermag? Was tut er da? Verstecken will er die Kinder. Ungeschehen machen will er, was er doch selbst gezeugt. Bewegt er sich? Er strengt sich an – da scheint er es zu schaffen, die ungeliebten Kinder wegzusperren und hernach gleich so zu tun, als ob er mit ihnen niemals zu tun gehabt.

Mutter Gaia Mikl-Leitner kann es nicht ertragen. Derart als Mutter verleugnet und als Göttin missachtet, so mag sie nicht sein. Kein Sinn steht ihr danach, sich zu bescheiden. Sind’s nicht ihre Kinder? Sie müssen wieder heraus aus der Höhle!

Sie lächelt nicht, fürwahr. Sie sinnt. Schon seh ich sie beim Verfertigen der unzerbrechlichen Adamants Obergrenze, sie formt daraus eine gezähnte Sichel. Aber wie die Sichel nutzen? Es müssen die Kinder sein, ihr Beistand zu leisten. Indes sie zieren sich, sie wollen nicht. Einzig Titan Kurz vermag sich zu ermutigen. Was nun?

Da sehe ich Uranos Faymann sich Gaia Mikl-Leitner wieder voll des Verlangens nähern – seh ich recht? –, da schneidet Titan Kurz ihm mit der Sichel Obergrenze das Geschlechtsteil ab und wirft es fort. Und was aus der Wunde fließt und tropft, das befruchtet Gaia Mikl-Leitner, sodass sie die Giganten um Strache, die rasenden Erinnyen der Ausweisungsbefürworter und die wohltätigen melischen Nymphen der Zivilgesellschaft gebiert.

Und es wird vor meinen Augen, was zunächst mir keine Übersicht bot, zu einem wahren Tollhaus des Schlachtens. Das Toben kennt nun keine Grenzen mehr. Wer bisher stand an der Seite des Geschehens, gebärdet sich durch Beleidigung und Höhnung als nunmehr ebenso dem Streit verfangen. Wem bisher jene Seite, auf der er stand, Si-cherheit und Zuversicht verhieß, gerät jählings ins Wanken. Die Giganten um Strache lächeln zart bei ihrem rücksichtslosen Kampf gegen die Götter – sie wissen darum, dass sie durch Götterhand nicht sterben können. Ratlos irrt Zeus Merkel noch umher, sich eines Beistands zu versichern. Gaia Mikl-Leitners Zauberkraut Organisations-Ohnmacht hilft den Giganten um Strache, da sie dadurch auch von den Sterblichen nicht getötet werden könne. Zeus Merkel tut, was sie kann: Sie verbietet Eos Renzi, Selene Cameron und Helios Hollande zu scheinen, bis das Zauberkraut sie selbst gefunden.

Die Schlacht ist voll in Gange, da erwache ich. Wodurch war mir, so fragte ich mich, die Sicht auf dieses Schauspiel denn vergönnt? Du hast, flüsterten mir die Musen ins Ohr, im Traum vor die Augen bekommen, was als Wacher wir dir zu schauen niemals ermöglicht hätten. Dein Schlaf war uns Gewähr und Beruhigung. Deiner als bloßer Zuschauer gewiss zu sein ermöglichte allein den ungestörten Ablauf der Geschicke, wie er durch die Götter bestimmt ist.