Ich habe mich bemüht. Dennoch gelang mir kein Schock über "das gekaufte WM-Sommermärchen 2006" und die längst bekannten Bräuche in der Fifa-Sportart Börsen-Ball. Und Franz Beckenbauers Sturz vom "großen Kaiser" zum "kleinen Gauner"? So tapfer titelte Springers BZ, nach Jahrzehnten devoten Gesabbels von der "Lichtgestalt". Der verdunkelte F. B. bewies seine höchstpersönliche Unschuld. Erstens unterschreibe er seit jeher unbesehen jedes Stück Papier, das die Autogrammjäger dieser Welt ihm vorlegten. Zweitens habe sein Management ihm sogar die Glühbirnen gewechselt.

Prompt erloschen am deutschen Kickerhimmel zwei weitere Gestirne. Trainer Stefan Effenberg wurde vom SC Paderborn ausgeschaltet. Mario Basler verglomm als Sportdirektor des 1. FC Lok Leipzig. Die Glorie der BRD-Fußballgeschichte scheint im Eimer. Deutschland braucht neue alte Helden. Deshalb präsentierte Bild am 1. März auf einer Sonderseite "Die 50 besten DDR-Oberliga-Spieler". Deutschland, hier naht deine wahre Traumtruppe! Die Plätze elf bis eins: Henning Frenzel, Matz Vogel, Jürgen Sparwasser, Otto Fräßdorf, Reinhard Häfner, Dieter Erler, Achim Streich, Hansi Kreische, Dixie Dörner, Peter Ducke, Jürgen Croy. Der Kenner merkt: Wir spielen mit sechs Stürmern – kein Risiko, mit Croy im Tor. Allerdings starb Regisseur Dieter Erler bereits 1998. Für ihn dürfte Beckenbauer kommen, auf Bewährung.

Unlängst saß Jürgen Croy auf dem Podium der Stiftung Aufarbeitung. Es ging um "Macht und Meisterschaft – Fußball in der DDR". Croy beklagte etliche Scheußlichkeiten des DDR-Sports, doch nicht seine Karriere als Zwickauer Weltstar ohne Wahnsinnsgagen. Zufriedenheit sei nicht käuflich, sprach Croy. Bald feiert er goldene Hochzeit.