Schon mal was vom Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation gehört? Vermutlich nicht, klingt ja auch irgendwie ziemlich gestrig. Vertrauter ist da das Akronym CeBIT. Seit dreißig Jahren gibt es die weltweit größte Messe für Informationstechnologie in Hannover, seit Montag geht es ums digitale Business. Der Schwerpunkt: Digitale Transformation.

Digitale Transformation ist einer dieser Begriffe, die schön klingen und leicht zu sagen sind – in den meisten Unternehmen ist sie allerdings noch nicht angekommen, glaubt man einer Studie, die die Berater von Etventure zusammen mit der GfK zum Messestart veröffentlicht haben. Vorstände und Führungskräfte aus 2000 deutschen Unternehmen mit mehr als 250 Millionen Euro Jahresumsatz wurden befragt, darunter auch große Mittelständler. Zwar ist das Ergebnis, dass mehr als acht von zehn Firmen die Digitalisierung zu den Top-Themen zählen. Allerdings: Nur in der Hälfte der Unternehmen steuern Mitglieder der Chefetage die Umsetzung, stattdessen kümmert sich die hauseigene Unternehmensentwicklung oder gleich die IT-Abteilung darum.

Firmen, die sich auf den Weg in die schöne neue digitalisierte Welt machen wollen, vergeben so viele Chancen. Das gilt erst recht für den Bereich Big Data – gerade hier sind vor allem die kleineren Unternehmen überfordert: Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom unter Mittelständlern hat 2015 herausgefunden, dass 80 Prozent der Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern das Thema Big Data komplett ihren IT-Leuten überlassen.

Der englische Begriff Big Data, der so viele zu überfordern scheint, beschreibt riesige, beständig wachsende Datenmengen. Strukturiert, gefiltert und sortiert, liefern diese Zahlenhaufen wertvolle Informationen, mit denen sich Unternehmensabläufe optimieren lassen. Wie solche Lösungen konkret aussehen können, zeigen Fallbeispiele des Bitkom: So warnen etwa Produktionsanlagen selbstständig, wenn sie Ausschuss produzieren; Bäckereiketten oder Supermärkte erheben, welche Mengen Brot oder Kuchen sie zu welchen Uhrzeiten am besten verkaufen und wann sie die Regale nachfüllen lassen müssen; Automobilzulieferer oder Dachziegelhersteller können Lagerbestände überwachen und die Auslastung ihrer Maschinen.

In kleineren Unternehmen sind solche Neuerungen immer noch die Ausnahme: Zwar steht laut der Bitkom-Umfrage nur eines von fünf Unternehmen dem Thema Big Data explizit kritisch gegenüber. Aber fast 40 Prozent der Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern geben zu: "Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt." Und auch Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern geben sich zu über einem Drittel entweder ahnungslos oder kritisch.

Das bestätigt eine Studie des Berliner Forschungszentrums Informatik: Auch wenn eine Mehrheit der befragten Mittelständler angibt, Daten seien die wichtigste Entscheidungsgrundlage, sind nur in 15 Prozent der Firmen Big-Data-Anwendungen zur gezielten Auswertung fester Bestandteil des Unternehmensprozesses, am ehesten noch im Personalbereich.

Das Fazit der Studie: "Die Unternehmen haben den Wert ihrer Daten erkannt, können sie aber noch nicht auswerten." Thomas Froese, Big-Data-Fachausschussvorsitzender des Industrieverbands VDI, kann das nicht nachvollziehen. Was das Auswerten und die Verwertung von Daten angeht, bezeichnet er die Lage im Mittelstand als "katastrophal".

Dabei ist es nicht nur leichter geworden, aussagekräftige Daten zu erheben, dank passender Software, Mini-Funkchips und mobiler Apps in den Geräten entlang der Produktionskette. Auch die Speicherung dürfte dank Cloud-Computing kein Problem mehr sein. Und was die Auswertung betrifft, tummeln sich inzwischen zahlreiche Dienstleister am Markt: "Es gibt viele Big-Data-Start-ups, die viel billiger sind und sich auf bestimmte Anwendungen spezialisiert haben", sagt Jörg Reinnarth von der Cintellic Consulting Group. Gegen das Silodenken der verschiedenen Abteilungen können spezialisierte Berater und erschwingliche Softwareprogramme zum Einsatz kommen, etwa die von Data Virtuality, einer Ausgründung der Universität Leipzig, die sich darauf spezialisiert haben, unterschiedlichste Datenbestände zu verknüpfen. Zudem bieten Softwareentwickler inzwischen sogar Analytics-Programme "für jedermann" im Internet an, etwa Tableau, Qlikview oder Sisense, mit denen selbst kleine Firmen ihre Datenbestände leicht auswerten können sollen.

Auch wenn die Schwelle also längst nicht so hoch ist, wie viele fürchten: "Die Unternehmen müssen sich nicht nur die Software zulegen, sondern auch Know-how-Träger, die damit umgehen können. Daran hapert es bei Mittelständlern oft", sagt Sascha Nagel, Chef der Geschäftsfeldentwicklung von Data Virtuality. Vor allem, weil es nicht reicht, wenn diese Know-how-Träger in der IT-Abteilung sitzen. Es braucht sie auch in der Führungsriege.