Alle müssen da durch, zum Glück nur einmal. Wer sich später an seine Pubertät erinnert, kriegt meist einen Schamkoller: zu doof, zu dick, zu dilettantisch beim Sex – nix als das ganz große Versagen! Nur wer es krachen lässt, verbucht die Teeniejahre später als Gewinn in der Lebensbilanz. Die gute Nachricht ist: Alle, die das hinter sich haben, wissen Bescheid. Die schlechte lautet: Die Alarmsirenen von Eltern und Lehrern heulen heftiger denn je. Melanie Mühl, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen, ist an die Jugendfront ausgerückt, als Krisenberichterstatterin. Sie hat aufgeschrieben respektive sich aufschreiben lassen, wie 15-Jährige denken, fühlen, handeln. Sensationell sind die Erkenntnisse nicht.

Mühl klappert die Themen ab, die zum Pubertätsportfolio gehören: Chatten und Zocken, Sexen und Lieben, Mobben und Shoppen, Kiffen und Sniffen, eine Prise Schulstress dazu, Netz-Tutorials wie Bibis Beauty Palace eintüten und mit den Feinheiten der Intimrasur nachwürzen – fertig ist das Buchkonzept. Mancher O-Ton wirkt allerheftigst nachbearbeitet, so wenn der 17-jährige "Benjamin D." sich über Liebe und Herzschmerz im Duktus eines Werther verbreitet. Herrlich dagegen das Geplauder der sechs Gymnasialgrazien, die Mühl ins ABFFIUE – "Aller Beste Freundin Für Immer Und Ewig" – ihrer Kommunikation einweihen. Interessant wird die Lektüre, sobald die Reporterin ihre Fundstücke zu Experten trägt. Da bringt etwa der Anorexie-Spezialist Hartmut Imgart Motiv und Mechanik der Magersucht präzise auf den Punkt: "Nicht aushaltbare Emotionen werden mit dem Körper reguliert." Aufschlussreich fällt auch Mühls Besuch in einer achten Klasse aus, deren Belegschaft das jeweils andere Geschlecht beschreiben soll. Die Aufgabe wird unter Plünderung der Courths-Mahler-Klischeekiste gelöst: Jungs "trauen sich viel", Mädchen sind "hilfsbereit". Bleibt die Frage, wer diesen Jugendreport braucht. So sie halbwegs auf Zack sind, wissen Eltern mit halbwüchsigen Kindern, was drinsteht. Am ehesten können vermutlich Oma und Opa draus lernen. Dass Facebook total krass out ist zum Beispiel. Seit Oma und Opa (nicht zu vergessen: Mama und Papa) damit rummachen.

Melanie Mühl: Fünfzehn sein. Was Jugendliche heute wirklich denken; Hanser Verlag, München 2016; 224 S., 18,90 €