Der Digital Native ist der Herr Tur Tur der Hochschulen. Beim Lernen mit neuen Medien ist er wie der Scheinriese in Jim Knopf, von Weitem mega, von Nahem mini: Privat sind Studenten ständig online und in sozialen Netzwerken unterwegs; an der Uni sind sie digital inkompetent.

Das sagt das Hochschulforum Digitalisierung, eine Initiative von Centrum für Hochschulentwicklung, Stifterverband und Hochschulrektoren, nach Sichtung der Daten von 27.000 Studenten an 153 Hochschulen. Nur 22 Prozent sind "digitale Allrounder", die viele neue Medien zumindest ausprobiert haben – von E-Mails bis zu virtuellen Laboren, Wikis oder Webkonferenzen. Besonders oft sind Informatiker darunter, besonders selten Physiker, Pharmazeuten und Geografen. Die meisten Studenten arbeiten selektiv und sporadisch mit neuen Medien; 30 Prozent sind "PDF-Nutzer", die nicht mehr tun, als Lernmaterial herunterzuladen oder PowerPoint-Slides zu bauen.

An der Infrastruktur liegt die Malaise nicht – die bewerten die Studenten als sehr gut. Vielmehr zählen sie laut Studie zu den "konservativeren Akteuren an Hochschulen", die neue Lernformen erst nutzten, wenn ihre Dozenten diese einbrächten. Das ist für die Studenten peinlich, für die Hochschulen peinsam. Dort müssen nun ältere Dozenten die notwendige Digitalisierung des Lernens bei den jungen Scheinriesen durchsetzen. Ohne den vollen Einsatz der Hochschulleitungen wird das nicht gehen.