Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/Getty Images

Was sich nach einer juristischen Spitzfindigkeit anhört, kann in Zeiten internationaler Flüchtlingsströme schnell zu einer praktischen Frage werden. Etwa dann, wenn ein Flüchtling von einem unter deutscher Flagge fahrenden Handelsschiff an Bord genommen wird und umgehend einen Asylantrag stellt, weil er sich vermeintlich auf deutschem Staatsgebiet befindet.

Der fragende Leser hat zwei Quellen mitgeschickt. Wikipedia verneint die Sache, während das Justizportal des Landes Nordrhein-Westfalen schreibt: "Ein in einem deutschen Seeschiffsregister eingetragenes Seeschiff ist in internationalen Gewässern ein Stück deutsches Territorium."

Ausführlich untersucht wurde die Frage im Jahr 2009 in dem Büchlein Asylsuchende und Migranten auf See des Juristen Sicco Rah von der International Max Planck Research School for Maritime Affairs in Hamburg. Der Autor stellt zunächst einmal klar, dass auf Schiffen unter deutscher Flagge deutsches Recht gilt – deshalb lassen ja die meisten Reeder ihre Schiffe unter der Flagge eines Staates mit lascherer Sozialgesetzgebung fahren. Aber das heißt nur, dass "bewegliches Eigentum" eine Staatsangehörigkeit haben kann.

Der Jurist kommt zu dem eindeutigen Schluss: "Schiffe sind kein 'schwimmendes Territorium'." Das sei schon deshalb abzulehnen, weil sich sonst "im Küstenmeer eines Staates unterschiedliche und wechselnde Gebiete anderer Staaten befänden". Und deshalb können Kapitäne auch kein Asyl gewähren.

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