Am Montag lief ich mit meiner Familie die Stadtmauer von Jerusalem entlang, als mich zwischen dem christlichen und dem muslimischen Viertel ein Moment weltreligiöser Ökumene anfiel. "Oh, mein Jahwe", fiel mir beim Anblick des Felsendoms ein, "diese Woche ist ja Ostern – und da produzieren wir die aktuelle ZEIT-Ausgabe schon heute."

Kurz darauf sitze ich bei einer Melange im österreichischen Hospiz unmittelbar hinter dem Damaskus-Tor, schaue im Herzen von drei Weltreligionen auf eine spanische Flagge und denke mir: Das Leben eines Kolumnisten ist eine einzige Via dolorosa. Die Schmerzen, die er empfindet, fügt ihm kein Geringerer zu als der Leser. So fanden sich in meiner "Fan"-Post unlängst reichlich sachdienliche Hinweise, die ein sensibleres Gemüt als meines sicherlich erschüttern würden: Von "Nehmt dem Dausend das Schreibzeug weg" über "unerträgliche Überheblichkeit" bis zu "selbstgefälliger Zyniker" war manches dabei, in dem die urchristliche Tugend des Verzeihens nicht wirklich aufschimmerte. Ein selbstgefälliger Zyniker würde zu Ostern schreiben: "Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie schreiben." Ich aber sage: Gesegnet sind die Barmherzigen. Schalom.