Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Auf Missstände hinzuweisen ist in Österreich nicht das oberste Gebot. Im Gegenteil: Es schafft bloß Unruhe. "Nur kane Wellen" im Tümpel der Selbstgenügsamkeit, heißt es. Und das ist auch gut so.

Leider gibt es immer wieder Störenfriede. Etwa eine Schuldirektorin, die darauf hinwies, dass rund ein Drittel ihrer Schülerinnen und Schüler nicht für den Arbeitsmarkt vermittelbar sei. Sie sprächen lediglich in Satzfragmenten oder in Zwei-Wort-Sätzen Deutsch. Das ist natürlich ein Fehlalarm, denn es gibt in diesem Land genügend Leute, die mit ähnlichen Fähigkeiten durchaus Karriere gemacht haben. Völlig zu Recht schritt nun das Bildungsministerium mit einem Machtwort ein. Wer so wenig Ahnung hätte, sollte sich hüten, öffentlich den Mund aufzumachen, beschied die Aufsichtsbehörde. Und, ganz Oberlehrer, wurde sofort eine Belehrung durch den Schulinspektor angedroht. Klar, Ahnung ist nur im Ministerium zu Hause, nicht in der Praxis des tagtäglichen Umgangs.

Warum eigentlich diese ganze Aufregung? Die Schule, um die es sich handelt, ist eine Neue Mittelschule und somit ein ideologisches Heiligtum der Bildungsreform. Das ist die Zukunft: Mutig sollen künftig alle Kinder in den neuen Schulen pauken. Und ehrlich, es gibt bald ohnehin keine Jobs mehr für die meisten. Daher ist es eigentlich gleichgültig, wie man die jungen Leute ausbildet. Mit Teamteaching mitten ins AMS hinein gewissermaßen. Ein kleiner Treppenwitz ist es, dass im sozialdemokratischen Bildungsschrebergarten Elitenbildung stets verpönt war. Hier entsteht aber eine neue Elite: die Drei-Worte-Satz-Oberschicht. Und wer genügend Geld hat, kann seine Kinder auf Schulen schicken, an denen sogar der Nebensatz gelehrt wird, weil angeblich der Nebensatz-Elite die Zukunft gehören soll. Diese Prognose ist aber wahrscheinlich auch nur eine Fehleinschätzung.