"Wer auf der Seite der Verlierer arbeitet, wird zwangsläufig selbst zum Verlierer. Ich musste immer innerlich lachen, wenn mir Leute Erfolg wünschten für die Arbeit des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten, dessen Direktor ich war. Ja, auch in Ruanda, Burundi oder im Ostkongo kann man Erfolg haben. Aber nie ist er quantifizierbar. Werke der Barmherzigkeit lassen sich nicht berechnen. Helfer können nicht gewinnen. Mehrfach mussten wir mitansehen, wie Vertriebene abermals vertrieben wurden. In der Zentralafrikanischen Republik bauten wir Schulen, ich besitze noch Fotos von fröhlichen Kindern in neuen Klassenzimmern. Jetzt ist alles wieder von Rebellen zerstört. Wer auf der Seite der Verlierer steht, muss lernen zu verlieren. Jetzt verkauft Europa Flüchtlinge an die Türkei. Mich erinnert das an den Verkauf des Heilands. Jesus war ein Problem geworden für die Machthaber. Also konnte man ihn verkaufen und verraten. Das Opfer opfern. Wir Helfer aber müssen den Opfern dienen."

Peter Balleis

"In der Hamburger Kirche St. Pauli geben wir kostenlosen Deutschunterricht. Jetzt kommen vor allem Afghanen. Vor drei Jahren waren es noch Afrikaner, 80 Lampedusa-Flüchtlinge, gestrandet in Hamburg, vom Senat ungewollt. Ich habe damals als Pastor die Kirchentür aufgeschlossen. Eine Gewissensentscheidung, die manche mutig nannten, andere naiv. Viele Hamburger ließen sich von der Barmherzigkeit anstecken, so wie das Osterlicht in der Kirche weitergereicht wird. 'Was machen eure Afrikaner jetzt?', werde ich gefragt. Praktikum, Arbeit, Wohnungssuche, erste Hochzeiten.

In unsere Kirche kommen oft die, die keiner will. Jetzt sind es Afghanen. Denn Syrern stehen Deutschkurse zu, Afghanen nicht. Also fangen wir wieder die auf, die das System nicht will. Junge Männer sind eine Stunde mit dem Bus unterwegs, um bei uns Vokabeln zu pauken. Weil das besser ist, als die Containerwand anzustarren im Erstaufnahmelager, wo sie schon viel zu lange sind. Keiner weiß, wie es weitergeht. Die Balkanroute ist dicht, alle spüren die gekippte Stimmung nach der Silvesternacht. Manchmal kochen wir zusammen, ein Riesentopf Lamm mit Reis kommt auf den Tisch. Wenn wir uns 'Guten Appetit' wünschen, leuchten die Augen, und alle Sorgen verstummen für einen Moment. So muss es gewesen sein, als Jesus mit den Zwölfen beisammen saß. Wo wir Leben mit denen teilen, die keiner will, sitzt der Auferstandene immer mit am Tisch. Es ist die Auferstehung der Ohnmächtigen, in deren Augen das Osterlicht leuchtet."

Sieghard Wilm

"Die Herzen der Christen im Irak und in Syrien richten sich jetzt nicht nur auf die Auferstehung, weil sie ein Fest feiern wollen. An Ostern erneuert sich ihre Hoffnung auf einen Sieg über ihre Leiden und die ihrer Kirche. Diese Leiden sind konkret. Denn die Flüchtlinge im Nordirak erleben nun schon ihr zweites Ostern in der Fremde. Wir Helfer sehen nicht nur ihren Schmerz über den Verlust der Heimat, nicht nur ihre tägliche Not, sondern auch ihre wachsende Enttäuschung. Kann der 'Islamische Staat' besiegt werden? Werden wir je in die Heimat zurückkehren? Wir feiern die Auferstehung jetzt auch, um die Enttäuschung zu besiegen, die das Los aller Flüchtlinge ist.

In der Karwoche tragen die orientalischen Christen ihr eigenes Kreuz nach Golgatha. Der Berg soll für sie eine Brücke werden, die vom Schmerz zur Freude führt, vom Tod zum Leben. Im Nahen Osten hat sich der Terror nun fast überall ausgebreitet. Es ist finster um uns, deshalb hoffen wir so sehr auf das Licht der Auferstehung. 'Ihr werdet meine Zeugen sein', sagte Jesus zu seinen Jüngern. Auch wir sind Zeugen. Wir erleiden seine Schmerzen und wollen mit ihm auferstehen."

Emanuel Youkhana