Freie und Hansestadt Hamburg – das Wörtchen "frei" scheint für manche nicht zu gelten. Zum Beispiel für die Gastronomen in den Alsterarkaden. Sie haben zwar das Glück, genau dort in Hamburg ihr Geschäft zu betreiben, wo man glatt eine Einstellung aus Commissario Brunetti drehen könnte: Brunetti verlässt ein Vaporetto, lässt sich auf einen Stuhl fallen, ordert einen caffè – nein, halt! Das ist es ja gerade: Das geht nicht. Und diese Erfahrung machen all die Erholungssucher, Mittagesser und Touristen, die hier ein paar Sonnenstrahlen genießen wollen: Es gibt keine Stühle und Tische. Und fragt man in einem der Lokale, ob man draußen keine Gäste wolle, kann es passieren, dass man ein Schulterzucken erntet und ein gepresstes: "Die Stadt ...!"

Was wieder zu Brunetti passt, Sie wissen schon: Bürokratie, Behördenwillkür. Kann es sein, dass der Bezirk den Gastronomen bis nach Ostern verbietet, Stühle und Tische für erschöpfte Wanderer aufzustellen – und damit quasi einen Akt der Mitmenschlichkeit verhindert?

Aber nein, niemand verbiete das, erwidert Sorina Weiland vom Bezirk Mitte. Die amtliche "Draußensaison" gehe vom 1. März bis zum 31. Oktober. "Man könnte also schon jetzt Tische aufstellen", sagt Weiland. Da hätten wir den Behörden fast unrecht getan, den Italienern sowieso. Aber: Was hindert die Gastronomen? Auf unsere Gesprächsanfragen erfolgte keine Reaktion, allerdings: So groß ist das Geheimnis auch nicht.

Als Restaurantbesitzer kann man auf öffentlichem Grund eben doch nicht so einfach Tische und Stühle platzieren. Auf privatem Grund natürlich, Sie dürfen Ihren kompletten Garten mit bayerischen Bierbänken zustellen (dass die Nachbarn Sie erst für verrückt halten und dann wegen des Gejohles anzeigen werden, ist eine andere Sache). Aber auf dem Fußweg oder in den Alsterarkaden braucht man eine Genehmigung. Die kostet eine Gebühr, in diesem Fall acht Euro pro Quadratmeter und Monat.

Und das investieren Wirte ungern, wenn es noch hageln und schneeschauern kann. "Viele starten erst im April oder Mai, weil da das Wetter verlässlicher ist", sagt Sorina Weiland. Die tatsächliche Sperrzeit von November bis März, in der das Mobiliar weggeräumt werden muss, stört da noch weniger, im Hamburger Winter zieht es nur besonders hartgesottene Gäste nach draußen.

Und Raucher. Für die nämlich sind die Stehtische, die das ganze Jahr über draußen sein dürfen. Zugegeben, eine Ausnahme, ein Hartgesottenenprivileg. Aber ein Grund, mit dem Rauchen anzufangen?